Buch: Das Paradies ist deine Sache nicht (Geest-Verlag)1.) - 2.)

Das Paradies ist deine Sache nicht.
Gedichte von Verena Raupach (Geest-Verlag)
Besprechung von Karl Seemann, Information des Geest-Verlag:

Nachfolgend gibt es eine der ganz wenigen Rezensionen des großen alten Lyrikers und Bachmann-Freundes Karl Seemann zu lesen:

Verena Raupachs Gedichte sind so gut, daß man eigentlich nicht darüber schreiben sollte. Man muß sie einfach lesen, wieder lesen, immer wieder lesen. Diese Lyrikerin ist in ihrem Gebiet eine große, unverwechselbare Begabung. Da gibt es Gedichte, die ganz im konkreten Alltäglichen beginnen, dann in Naturvorgänge, in Jahreszeiten, in Morgen- und Abendbildern, in Blühen und Resignation, in Baumbildern und Gartenlandschaften  und - ehe man sich versieht - zu kosmischen Kreisen, zur Abstraktion der Gefühle werden und sich dort wieder mit dem Anfang des entsprechenden Gedichtes verbinden. Und das alles ohne Krampf und ohne gewollte Anstrengung, nur so aus sich heraus:
einfach poetisch. Die Gedichte der Verena Raupach zählen zu den besten lyrischen Arbeiten dieses Jahres. Alfred Büngen vom Geest-Verlag gebührt ein Lob, daß er er solche Schätze erkannt und verlegt hat.

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Buch: Das Paradies ist deine Sache nicht (Geest-Verlag)2.)

Das Paradies ist deine Sache nicht.
Gedichte von Verena Raupach (Geest-Verlag)
Besprechung von KHS, Information des Geest-Verlag:

Mutige Gedanken

Die Autorin (Jg.1943) präsentiert hier „nach Abschluß der Familienphase“ (Klappentext) „Wehmütige Träume“ (Untertitel). Die Zeichnungen der Uta von Treyer sind schön und passend, gehören von ihrem Duktus her aber eher in ein Märchenbuch.

In drei Teilen wird der Mikrokosmos der Poesie ausgeschritten: von der Liebe bis zur Höllenpest. Eigenartige Bilder („Schweißperlen.....koitieren mit Parfum“) oder abwegige Gedanken („Postkarte an Parzival“) reizen zur Lektüre – wobei „Schweiß“ anfangs fast zum Leitmotiv zu geraten scheint („die stirn des monds/stäubt schweißperlen herab“, „Abgestandener Nachtschweiß“) – jedenfalls spielen Temperaturen und Lichtverhältnisse eine Rolle.

Neben einigen lapidaren Bemerkungen gibt es Höhenflüge poesierender Philosophie: “niemals wird asche zu eis.“ Und artikuliert sich hin und wieder nicht auch die Angst vor sich selbst:“ Mordlust ah, wenn ich an dich denke.“ Überhaupt auch die Abhängigkeiten, etwa von einer Photographie:“ Wenn du vergilbst/bin ich verloren.“ Freilich trifft sich hier Märchenhaftes und Melancholie, die gefährdete Idylle wird einfühlsam oder sarkastisch beklagt:“ Das Meer...hatte zurückgekotzt“.

Sehr animierend einige Sprachschöpfungen wie „quarrender sumpf“, gewagt die Vorstellung:“ der Tod hat seine Eier/längst abgelegt“ oder.“ Über dem Pol blutet die Finsternis“ oder „Augen gefroren zu Hartgummi.“ Ökologie und Jahreszeiten sowie des Menschen lästiges Treiben werden quasi poetisch analysiert.

Ganz ungewöhnlich das Gedicht „Eva“ zum Schluß: da sprich die lyrische Ichin zu Gott:“ scher dich zur Hölle/ Das Paradies ist deine Sache nicht/aber meine.

Wahrlich eine mutige und interessante Autorin, von der wir wieder einmal lesen möchten.

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