Das öde Land von T. S. Eliot, 2009, SuhrkampDas öde Land.
Gedicht von T. E. Eliot (2009, Suhrkamp - Übertragung Norbert Hummelt).
Besprechung von Heiko Bolick, Olten/Schweiz für Amazon.de, 8.3.2009:

Grandioses Poem - ausgezeichnete Neuübersetzung

T.S. Eliot (1888 - 1965) schrieb dieses wohl berühmteste Gedicht des zwanzigsten Jahrhunderts während eines Kuraufenthalts, den er 1921 mit seiner Frau Vivien in Kent verbrachte. Damals arbeitete Eliot noch als Bankbeamter und litt an nervösen Erschöpfungszuständen. Im Januar 1922 reiste Eliot nach Paris, um die rund 800 Zeilen Ezra Pound zu zeigen. Der war begeistert, setze aber Streichungen durch, die das Poem auf rund die Hälfte schrumpfen liessen. Das Original tauchte 1968 in einer New Yorker Bibliothek auf. - Man hat "The Waste Land" wegen seines desperaten Tones oft als Gesellschaftskritik verstanden, doch genau gleich wie Joyces "Ulysses", so gelingt auch Eliots Gedicht der sinnstiftende Durchgriff vom Chaos der Gegenwart zur geistigen Tradition der Vergangenheit, ja im Unterschied zu "Ulysses" geht Eliot mit Hilfe von Mythologie, Religion und psychoanalytischer Symbolforschung sogar auf archaische Muster zurück. Das Zeitlose und das Zeitgebundene in ihrer Durchdringung, offen sichtbar durch die Unmenge von Zitaten, die Eliot in den Anmerkungen selbst nachweist: Die Bibel, Wagner, Shakespeare, Dante, Augustinus, Ovid, Vergil, Spenser und Milton, um nur einige wenige zu nennen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die 400 Zeilen der Intention des Dichters gemäss zu verstehen, ja man müsste alle Werke, die Eliot anführt, zum selben Zeitpunkt wie er gelesen haben und darüber hinaus noch dieselben Schlussfolgerungen machen. Das wäre Unsinn und führt zu zwei anderen Aspekten moderner Dichtung: Sie steht auch für sich selbst und kann jedem bei der Lektüre eigene und immer wieder neue Bilder schaffen. Zweitens, und das scheint mir für die Neuübersetzung wesentlich zu sein, bei derart verkürzten Bildern wird es nie eine gültige Übersetzung geben und jeder Anlauf ist ein Kind seiner Zeit. "The Waste Land" ist im Original ohnehin nicht so schwierig zu verstehen (i.e. der primäre Wortsinn auf Oberfläche), so dass die deutsche Fassung assistiert, Lesehilfe ist und einem mit dem Blick nach links auf die Sprünge hilft. Ich habe die Übersetzung von Norbert Hummelt mit der von Ernst Robert Curtius (1951) und Eva Hesse (1973) verglichen und bin mehr als zufrieden, denn im Unterschied zu Curtius ist Hummelt aktuell und gegenwärtig, ohne in eine zu einfache Alltagssprache zu fallen, ferner ist er - und das erstaunt mich wirklich - an manchen Stellen näher am Original. Hut ab! Nur das um 25 Jahre ältere Vorwort von Hans Egon Holthusen in der Curtius-Version überzeugt mehr als das Nachwort von Hummelt.

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