Das Meer Die Insel Das Schiff von Kito Lorenc, 2004, WunderhornDas Meer Die Insel Das Schiff.
Anthologie von Kito Lorenc (2004, Wunderhorn).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg, 2004:

Es ist ein kleines Volk, das der Sorben. Doch eines mit einem großen Behauptungswillen. So überdauerte das in der oberen und niederen Lausitz ansässige slawische Volk die mittelalterliche deutsche Ostexpansion und bewahrte Brauchtum und Sprache, die mit Ende des 16. bzw. mit dem beginnenden 17. Jahrhundert aus dem mündlichen auch in den schriftlichen Bereich überging. Eine reiche literarische Produktion sowohl in Prosa als auch Lyrik zeichnet v.a. das ausgehende 19. Jahrhundert aus und erfuhr seine Fortführung bis in die heutige Zeit.

Eine erste Übersicht des lyrischen Schaffens dieses Volkes gab Jurij Brezan vor genau 50 Jahren in seinem Band "Sorbische Lyrik", dem sich Proben sorbischer Poesie und Prosa in der Herausgabe des (ober)sorbischen Altmeisters der Poesie Kito Lorenc unter dem Titel "Sorbisches Lesebuch" vor gut 30 Jahren anschloss. Nachdem 1992 die Edition "die horen" in der gemeinsamen Herausgabe von Kito Lorenc und Johann P. Tammen einen (gut, kundig und interessant ausgewählten) Einblick in die zeitgenössische sorbische Literatur unter dem Titel "Aus jenseitigen Dörfern" gab, liegt nun der Band "Das Meer Die Insel Das Schiff" vor, wiederum von Kito Lorenc herausgegeben, der damit die "Sorbische Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart" einem breiten Publikum vorstellt.

Das chronologisch aufgebaute Buch ermöglicht es dem/der Leser/in, mit in die Dichtung der Sorben "hineinzuwachsen". Von den Anfängen, die sich im Volkslied aufweisen über die christliche überhöhte Tradition des 16./17. Jahrhunderts und das "ad fontes" des 19. Jahrhunderts ergibt sich so ein reicher Einblick in die sorbische Dichtung bis hin zu den heute schreibenden Dichter/inne/n, die anteilig, etwa zu 1/6 im Buch vertreten sind, wodurch auch die Möglichkeit eines Überblickes über die derzeitige literarische Landschaft in der sorbischen Lausitz gegeben ist. (Eine gute Ergänzung hierfür gibt das o.g. Buch "Aus jenseitigen Dörfern"). Der beziehungsreiche Titel des Buches (man kann die Metaphern in einer möglichen Auflösung durchaus "Die Welt Die Sorben Die Sprache" lesen) gibt eine Richtung des Denkens an, in der die lebendige Bewahrung einer Tradition des "der Vergänglichkeit-Nachsinnens" neben der des die Dauer und Lebendigkeit aufnehmenden Moments steht.

Nicht zuletzt ist das Buch lesenswert vor dem Hintergrund der Erfahrungsmitteilung eines kleinen Volkes it seiner Kultur, die sich gegenüber einer stetig gewärtigen anderen Großkultur behaupten und durchsetzen muß/te - eine Erfahrung, die einem zusammenwachsenden Europa sicherlich eine nützliche ist.

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Leseprobe I Buchbestellung 0605 LYRIKwelt © P.A.K.