Das Manuskript der Verführung.
Roman von Gioconda Belli (2005, Peter Hammer Verlag - Übertragung Elisabeth Müller).
Besprechung von I.R. in den Nürnberger Nachrichten vom 25.10.2005:

Johanna von Kastiliens rasende Liebe
Spanisch: Gioconda Belli liest in Nürnberg aus ihrem „Manuskript der Verführung“

Gioconda Belli, eine der bekanntesten Autorinnen Lateinamerikas, kommt am 26. Oktober zu einer Lesung nach Nürnberg. Sie stellt ihren Roman „Das Manuskript der Verführung“ um 20 Uhr im Gemeinschaftshaus Langwasser vor, umrahmt von moderner lateinamerikanischer Musik mit der „Grupa Sol“.

Sie ist selbst eine kämpferische Frau, die sich sowohl politisch engagierte als literarisch über Jahrzehnte hinweg profilierte. Nun beschäftigt sich Giaconda Belli aus Nicaragua in ihrem jüngsten Roman „Das Manuskript der Verführung“ - ein satter historischer Schmöker - mit der unglücklichen spanischen Königin Johanna, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts als „Johanna die Wahnsinnige“ eingesperrt wurde und ihrem Gefängnis nie mehr entkam.

Belli, die in den siebziger Jahren mit ihren erotischen Gedichten Aufsehen erregte, sich dem Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront gegen das Samoza-Regime anschloss und später ins Exil ging, nimmt eine unverändert kritische Sicht beim Schreiben ein. In ihrem Buch betrachtet sie neugierig und unvoreingenommen die geschichtlichen Fakten und verwebt sie mit einer fiktiven Story, die im Spanien der sechziger Jahre spielt.

Dort wird eine brave 17-jährige Klosterschülerin, als Waise von den Nonnen besonders umhegt, unversehens zur Hauptfigur einer Affäre, die der erheblich ältere Universitätsdozent Manuel anzettelt. Lucia, so behauptet er, ähnelt auf verblüffene Weise der brünetten Johanna von Kastilien, die sich bei ihrer ersten Begegnung rasend in Philipp II. verliebte und laut Legende buchstäblich „verrückt wurde vor Liebe“.

Die junge Lucia lässt sich tief hineinziehen in die Recherchen Manuels. Die beiden werden ein Paar und leben fortan mit dem Fantasiebild Johannas. Lucia taucht ein in die Geheimnisse und Leidenschaften einer intelligenten und machtbewussten Adeligen - fast bis zum bitteren Ende. „Im roten Samtkleid mit quadratischem Brustlatz und goldenem Kreuz um den Hals“, also in der Aufmachung des historischen Vorbilds, wird die Heldin wider Willen schließlich Zeugin finaler Katastrophen und unglaublicher Familienverwicklungen.

Aber sie ist, das will Autorin Belli doch im Sinne moderner Aufgeklärtheit, vor dem Zugriff der Gespenster der Vergangenheit gefeit.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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