Das letzte Testament der Heiligen Schrift
Erzählungen von James Frey (
2012, Haffmans & Tolkemitt - Übertragung Alexa Hennig von Lange, Harry Rowohlt, Juli Zeh, u.a.).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 7.4.2012:

Ein Messias namens Ben
James Freys "Das letzte Testament der Heiligen Schrift"

Wie würde er heute aussehen, der Messias? Der Erlöser, die Lichtgestalt unserer Hoffnungen? Jedenfalls anders als erwartet. Aber so? Von Narben entstellt, dürr, blass? Einer, der in New Yorker U-Bahn-Schächten haust, sich vom Müll anderer Leute ernährt?

Der amerikanische Schriftsteller Jarnes Frey hat einen Hang zur Gosse. Berühmt wurde er mit der Story seiner eigenen Drogen-Biografie - und berüchtigt, weil sich herausstellte, dass er diese erfunden hatte. Zuletzt aber hatte Frey mit "Strahlend schöner Morgen" einen mitreißenden Los-Angeles-Roman verfasst, so dass man auf seine Messias-Version durchaus gespannt sein durfte. Leider erfüllt er die Erwartungen nur teilweise.

Dreizehn verschiedene Erzähler, darunter ein allein erziehendes Callgirl (Maria Magdalena) oder ein obdachloser Freak (Matthäus), berichten in oft schnoddrigem Ton vom Leben und Werden eines Messias namens Ben - Ben Zion Avrohom, auch genannt Ben Iones. Die deutsche Übersetzung der Kapitel besorgen dreizehn Größen der hiesigen Szene, von Alexa Hennig von Lange über Harry Rowohlt bis Juli Zeh. Das ist hübsch und unterstreicht die literarische Idee, den eigentlichen Gegenstand der Erzählungdezent zu umkreisen.

"Gott bedeutet, andere Menschen zu lieben. Gott bedeutet, jeden, den man trifft, mit Liebe zu behandeln", glaubt Judith, ebenfalls eine sinnlich Getröstete. Das stimmt sicher. Aber ist das schon alles? Im Kern scheint Freys durchaus reizvolles Gedankenspiel, verfasst mit messianischem Geifer, dann doch arg naiv.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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