Das letzte Bild von Ursula Fricker, 2010Das letzte Bild.
Roman von Ursula Fricker (2009, Rotpunkt Verlag).
Besprechung von Heiko Bolick für Amazon.de, 8.11.2009:

Die Schaffhauserin Ursula Fricker (Jahrgang 1965) wurde 2004 mit ihrem Debut "Fliehende Wasser" bekannt. Ich mochte dieses Buch wegen der ganz und gar eigenständigen Sprache sehr. Dieses "Telegrammartige" findet sich auch in ihrem neuen Roman wieder. Wo andere Kommata machen, setzt Ursula Fricker Punkte und treibt die Geschichte rasant voran, Hauptgrund, warum ich das Buch zu Ende lesen konnte:

"Es wird kühl. Floyd geht ins Haus. Setzt sich mit einem Glas Wasser an den Tisch im Arbeitszimmer und blickt zum Waldrand hinüber. Trinkt. Sieht die Blätter gelb werden und fallen."

Leider - und das hat mein Vorrezensent schon bemerkt - ist die Geschichte belanglos, jedenfalls im Vergleich mit der in "Fliehende Wasser": Ein Engländer verlässt Frau und Kind, um sich in der Nähe von Berlin..., ja was will er dort? Sich selbst finden? Sich selbst verwirklichen? Allem entfliehen? Man wird nicht recht schlau aus Floyd, der ein altes Anwesen gekauft hat, auf dem zuvor russisches Militär stationiert war. Seinen Lebensunterhalt verdient Floyd als Fotograf. Eines Tages, kurz vor Weihnachten, kündigt sich seine Tochter Jo an. Sie ist inzwischen fünfzehn Jahre alt; Floyd hat sie (und die Mutter) zehn Jahre nicht gesehen. Die Zwei finden nicht zueinander. Jo sucht unerwartet das Weite und bleibt für den Rest der Geschichte verschollen, trotz Polizei und eingeflogener Mutter. - Das Buch ist streng gebaut, wechselt kapitelweise zwischen Rückblick auf die Zeit in England und der Gegenwart in Brandenburg, mehr erfährt man aber nicht; die Autorin ermöglicht den Personen keine Auseinandersetzungen, nicht zwischen Floyd und Jo, noch zwischen Floyd und Emma, der Mutter, die immerhin zweimal bei Floyd auftaucht. Selbst die einzig interessante Spur, Jos Handy, dessen Fund Floyd der Polizei und Emma verschweigt, führt ins Nichts. Am Ende fragt man sich bloss, was die Autorin eigentlich mit dem Buch wollte. Vielleicht ist Floyd bloss ein Alter Ego für eine Schweizer Schriftstellerin, die im Ausland auf der Suche nach sich selbst ist.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter In Partnerschaft mit Amazon]

Leseprobe I Buchbestellung 0810 LYRIKwelt © Amazon.de I Heiko Bollick