Den andens liv von Kirsten Jacobsen, 2012Das Leben eines anderen/Den andens liv von Kirsten Jacobsen, 2012 -Übertragung Lutz VolkeDas Leben eines Anderen/Den andens liv.
DDR und Dänemark/DDR og Danmark von Kirsten Jacobsen (
2012, Gyldendal/Eigenverlag - Übertragung Lutz Volke).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg für die REZENSIONENwelt, XI. 2013:

Das in vier Teilen vorliegende Buch Kirsten Jacobsens (*1942 in Kopenhagen) verhandelt auf 261 Seiten ein höchst interessantes Kapitel dänisch-deutscher Kulturbeziehungen, einfühlsam im Interview dargestellt an den Lebensgängen der Protagonisten Lutz (*1940 in Magdeburg) und Gesine (*1943 in Neuwarp/ Pommern als geb. Amelong) Volke.

Widmet sich ein erster Teil der Situation in „Deutschland von 1940-1949“, so folgt in einem zweiten der thematische Bezug „Wir Deutschen tragen die Vergangenheit mit uns herum“ um sich in einem dritten der eigentlichen Thematik „DDR und Dänemark“ zuzuwenden und in einem vierten mit dem Ausklang der Situation in „Deutschland nach 1990“ das Buch zu beschließen.

Der promovierte Germanist und Nordist Volke trat sowohl als Übersetzer aus den skandinavischen Sprachen (u.a. von Werken Nordahl Griegs, Erik Knudsens, Henning Mankells, Ivan Malinowskis, Klaus Rifbjergs und August Strindbergs) als auch Dramaturg in der Abteilung für internationale Hörspiele (hier brachte Volke v.a. dänische Autoren in ’s Programm) hervor. Gesine Volke arbeitete als Lehrerin über vierzig Jahre im System Schule in Deutschland, erlebte den Umbruch darin nach dem Mauerfall und die anderen Gegebenheiten hernach.

Familiengeschichtliches mischt sich in der Darstellung mit Alltags(er)leben in der DDR, die politisch eigenständigen Denkens mit der der alltäglichen Anpassung an Gegebenheiten, die  bestimmte Lebensvorgänge erst ermöglichten.

Abschnittsüberschriften im dritten (Haupt-)Teil des Buches wie „Die sozialistische Persönlichkeit“, „es muss demokratisch aussehen“, „der Diener verachtet seinen Herren, während er ihm dient“, „Die sympathisierenden Linksintellektuellen“, „Hans Christian Andersen und Goethe“, „Ministerium für Staatssicherheit“, „ Die erste Westreise“, „Freundschaft mit Klaus Rifbjerg“, „Die ‚Ausbürgerung’ Wolf Biermanns“, „Lug und Trug“, „’Unrechtsstaat’ – die achtziger Jahre“ oder „Der 9. November“ mögen (in Auswahl) von der Bandbreite des im Buch zur Erörterung kommenden einen Eindruck geben.

Zugleich ist der Band eine Äußerung zum Lebensgefühl der 1940er Generation mit ihren Aufbruchs- und Lebensvorstellungen, ihren Visionen, Aussagen zum Scheitern an Umständen und Vorstellungen eines neuen Beginns.

Eine Generation, die das Auf und Ab bestimmter politischer Zeitläufte hautnah erlebte, findet sicherlich in den Worten Lutz Volkes einen Großteil eigener Anschauung wieder:

„Doch wenn ich manchmal zurückdenke an die Zeit meiner Kindheit und Jugend zwischen den Ruinen eines zusammengebrochenen Deutschlands und an den grauen Alltag in der DDR, und dann an die Möglichkeiten sehe, die unsere Enkel vielleicht haben, könnten wir – um es mit den Worten Ivan Malinowskis zu sagen – leben als gäbe es eine Zukunft und eine Hoffnung.“

Es bleibt, dem ausgesprochen lesenswerten und in Dänemark so erfolgreichen Buch  (möglichst bald) einen deutschen Verlag zu wünschen (bislang ist das Buch nur in der Übersetzung Lutz Volkes im Eigenverlag zugänglich), um das Geschriebene  auch in Deutschland einem breiteren Leser/innenkreis zugänglich zu machen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1113 LYRIKwelt © P.A.K.