Das Kavalierhaus.
Roman von Elisabeth
Plessen (2004, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Ursula Silvester für die Rezensionen-Welt,
01/2005:
Obwohl die Thematik des Buches
– Mädcheninternat in den 50er-Jahren – durchaus interessant ist, gelingt es
der Autorin anfangs nicht, mit ihrem eher eintönigen und sprunghaften
Sprachstil richtig Leben in die Geschichte zu bringen. Oft ist nicht gleich
klar, an welchem Ort sich die Hauptfigur – eine Insassin des Internats, die in
der Ich-Form erzählt – gerade befindet. Das Überspringen mancher Absätze
wird geradezu herausgefordert.
Ab dem zweiten Drittel des Buches ändert sich zwar nichts am Sprachstil, die
Geschichte wird aber immer lesenswerter. Die Autorin schafft es, das Innenleben
dieses jungen Mädchen – deren Name übrigens nie erwähnt wird – für den
Leser nachvollziehbar und verständlich darzustellen, wenn auch auf eine
manchmal ziemlich emotionslose Weise.
Unbestritten auch stellt die Autorin das Schicksal der Mädchen in diesem
Internat äußerst klar dar. Der Leser erkennt deutlich, mit welchen Problemen
diese jungen Menschen, deren Eltern den 2. Weltkrieg hautnah miterlebt hatten,
zu kämpfen haben. Leider werden aber nur die negativen Seiten aufgezeigt,
sodass der Eindruck entsteht, die Jugendlichen der 50er Jahre hätten überhaupt
nichts zu lachen gehabt.
Was Plessen jedoch unbestreitbar in einer einzigartigen Weise gelingt, ist es,
dem Leser einen tiefen Einblick in die Haltung der Mensch gegenüber Hitler und
den grausamen Verbrechen zu geben, und zwar sowohl im Rückblick auf die Zeit während
des NS-Regimes als auch danach, als die Menschen fähig waren, Zugeständnisse
zu machen.
Gesamt
betrachtet ist der Roman nicht leicht zu lesen, aber aufgrund der Botschaft,
welche die Autorin dem Leser übermitteln will, durchaus auch lesenswert.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0105 LYRIKwelt © Ursula Silvester