Das Halsband der Königin.
Roman von Antal Szerb (1937/2003, dtv - Übertragung Alexander Lehart).
Besprechung von Erhard Schütz in freitag vom 14.10.2005:

Wo es lang geht

Antal Szerb, der seit dem 1937 geschriebenen, 2003 bei uns erschienenen Roman Reise im Mondlicht 2003 eine immer noch anwachsende Gemeinde an Suchtlesern hat, war in Ungarn ein ebenso erfolgreicher Romancier wie Literaturhistoriker. Beide Qualitäten vereinigen sich in Das Halsband der Königin, der Geschichte jener ominösen Affäre um Marie Antoinette, deren 250. Geburtstag Royalisten am 2. November feiern könnten. Auf dezente Weise geistreich, milde ironisch, rückt Szerb hier die Geschichte gegenüber der Schulweisheit über das, was zur Französischen Revolution führten, in ein anderes Licht: "Das ancien regime ist nicht so sehr an seinen Lastern zugrunde gegangen wie an seinen Tugenden. Die Sünden, die Missbräuche waren zur Zeit Ludwigs XVI. keineswegs ärger als in allen früheren Jahrhunderten ... - der Unterschied lag in den Tugenden: in der Philanthropie, in der Neigung zur Volkstümlichkeit." Das sentimentale Hinabbeugen zum Volk hat dem nichts genützt, dafür aber den Apparat der Schranzen in Ängste versetzt - und so kochte die Gerüchteküche ein pikanteres Rezept nach dem anderen. Was Robert Darnton in den zurückliegenden Jahren minutiös rekonstruiert hat, das findet sich in diesem populärhistorischen Sachbuch von 1943 in souveräner Eleganz vorgezeichnet - ebenso unterhaltsam wie klug.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Freitag]

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