Das große Lesebuch.
Texte von Alfred Polgar (2004, Kein&Aber, hrsg. von Harry Rowohlt).
Besprechung von Jutta Kleedorfer bei Rezensionen-online *bn*:

Eine Zusammenstellung von Texten aus drei Jahrzehnten. (DR)

Das Titelbild zeigt Alfred Polgar, die nächste Doppelseite führt sofort in seine leidenschaftlich geliebte Welt des Wiener Kaffeehauses ein, die der bevorzugte Arbeits- und Aufenthaltsort des bedeutenden österreichischen Literatur- und Theaterkritikers war. Harry Rowohlt, der schon als Sechsjähriger von diesem Mann "verzaubert" war und den er "Freund Alfred" nannte - wie er im Vorwort ausführt - hat auf über 400 Seiten eine wunderbare Mischung unterschiedlichster Texte aus den Jahren 1907-1935 zu diesem Lesebuch zusammengestellt. Unter Polgars unbestechlichem Blick wurde vieles sogenannte "Große" klein, umgekehrt bekam das Unscheinbare Würde und Bedeutung. Polgars Blick ist kühl und genau, er weiß jene kleinen Details ausfindig zu machen, in denen der Teufel steckt, entdeckt Kleinigkeiten, die Bände erzählen. Wie kaum ein Zweiter polierte Polgar seine Sätze, suchte allzeit den prägnantesten Ausdruck, die möglichst schwerelose Formulierung.

Der Erzähler Polgar hatte viele Themen. Er schrieb über Städte und Landschaften, über Dinge und Tiere. Aber auch die von ihm erlebten konfliktträchtigen Jahre des Österreich nach 1918, Glanz und Elend im Berlin der untergehenden Weimarer Republik und das Leben des Emigranten sind in seine Texte eingeflossen. Doch vor allem schrieb er über die Menschen - und nicht zuletzt auch immer über sich selbst.

Ein Buch zum Schmökern und zum Eintauchen in das Flair vergangener Zeiten einer vergangenen Wiener Geisteskultur wie Kaffeehausliteratur.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen-online.at Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]

Leseprobe I Buchbestellung I home 0105 LYRIKwelt © Rezensionen-online