Das Gesetz der Lagune von Donna Leon, 2002, DiogenesDas Gesetz der Lagune.
Roman von Donna Leon (2002, Diogenes - Übertragung Monika Elwenspoek).
Besprechung von Simone Dattenberger aus der Münchner Merkur, 21.5.2002:

Bora und Bestie
Donna Leon: Brunettis zehnter Fall

Zum Jubiläumsjahr des Schweizer Diogenes Verlags, der heuer den Fünfzigsten feiert, legt Donna Leon, Amerikanerin in Venedig, ihren zehnten Brunetti-Fall vor: "Das Gesetz der Lagune". Da neben dem sympathischen Commissario ("Brunetti, von Natur und Neigung unfähig, am Altar des Götzen Erfolg zu beten, hatte bescheidenere Ziele. . . . er selbst begnügte sich mit kleineren: eine glückliche Familie, ein anständiges Leben und das Bestreben, seine Arbeit so gut wie möglich zu tun.") immer auch die Serenissima d i e Hauptfigur in Leons Kriminalromanen ist, wendet sich die Schriftstellerin jetzt mit der "Lagune" den Fischern und "vongolari" (Muschelfischern) zu.

Mit ihrem Sinn für treffende, humorvoll gesehene Details, mit ihrer Fähigkeit, recherchierte Informationen ohne Schwerfälligkeit in die Handlung einzustreuen, begeistert Leon ihre Leser wieder einmal für das typisch Venezianische.

Neben der Landzunge von Lido und Malamocco erstreckt sich in Richtung Chioggia ein noch schmalerer Streifen, auf dem das Dorf Pellestrina liegt. Nur die Lagune ernährt es. Die Boote sind deswegen der kostbarste Besitz der als hart und verschlossen verschrienen Pellestrinotti. Auf Umweltschutz, verseuchten Fisch - Donna Leon weist oft und fast schon resignativ auf die Chemiewerke von Marghera hin - oder Unterwasser-Biotope und somit auf den Verbraucher nimmt ohnehin keiner von ihnen Rücksicht.

Eines Nachts wachen die Dörfler von einer Explosion auf. Das Schiff eines ihrer Nachbarn brennt und sinkt an der Anlegestelle. Andere Schiffe können gerade noch gerettet werden. Zwei Leichen, brutal ermordet, werden in der Kajüte entdeckt: Bottin, der Eigner, und sein Sohn Marco. Da sich die Carabinieri, in Italien Lachnummern wie bei uns Ostfriesen und Blondinen zusammen, nicht um den Fall kümmern wollen, übernehmen Brunetti und sein treuer Sergente Vianello den Fall. Aber die Mauer des Schweigens ist in Pellestrina genauso undurchdringlich wie auf Sizilien, wenn man nach der Mafia fragt. Als dann auch noch der Körper der Kramerin, die wohl eher von diversen Liebesdiensten lebte, aus der Lagune gefischt wird, spitzt sich die Lage zu.

Nicht gerade uneigennützig verführt Brunetti die so attraktive wie intelligente Signorina Elettra, Sekretärin seines Chefs, dazu, doch wie einmal bei ihrer Kusine in Pellestrina Urlaub zu machen; in der Hoffnung, dass dort niemand weiß, wo sie arbeitet. Die verdeckte Ermittlung klappt scheinbar perfekt - und zu allem Überfluss verliebt sich die junge Venezianerin Hals über Kopf in einen feschen Fischer. Aber dann legt Donna Leon einen Showdown hin, der jedem Actionfilm zur Ehre gereichen würde. Elettra und Brunetti entkommen nur knapp der Bestie Lagune, die von einer brüllenden Bora hochgepeitscht ist. Und der Bestie Mensch

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