Das geheime Prinzip von der Liebe von Hélène Grémillon, 2012, HoCaDas geheime Prinzip der Liebe.
Roman von Hélène Grémillon (
2012, Hoffmann und Campe - Übertragung Claudia Steinitz).
Besprechung von Maren Schürmann in der WAZ, vom 5.4.2012:

Liebe allein ist nicht genug
Die Französin Hélène Grémillon entwickelt ihr Beziehungsdrama wie einen Krimi. Doch gibt es hier nicht nur einen Täter.

Mit Feingefühl und Eindringlichkeit schildert sie in ihrem Debütroman von verschiedenen Perspektiven auf die Wahrheit.

Im Paris der 70er-Jahre erhält eine Verlegerin nach dem Tod ihrer Mutter Briefe von einem Unbekannten. Er erzählt ihr von seiner Liebe zu einem Mädchen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Anfangs denkt Camille, der Mann wolle ihr auf originelle Art eine Idee für ein neues Buch unterbreiten.

Doch dann spürt sie mehr und mehr, dass die Geschichte etwas mit ihr persönlich zu tun hat. Wie bei einem Krimi lüftet Hélène Grémillon das Geheimnis in ihrem Debütroman „Das geheime Prinzip der Liebe“.

„Die Liebe ist ein geheimnisvolles Prinzip“, schreibt Grémillon, „ihr Ende noch viel mehr. Man weiß vielleicht, warum man liebt, aber niemals, warum man nicht mehr liebt.“ Annie heißt das Mädchen, in das sich der Briefeschreiber einst verliebt hat. Die junge Malerin erwidert anfangs seine Gefühle, bindet sich jedoch schließlich in einer ungewöhnlichen Freundschaft an eine ältere Frau: Madame M. unterstützt das Mädchen, schenkt ihr Farben und Leinwände.

Die Gönnerin lenkt sich damit ab von dem ihr bisher verwehrten Wunsch, ein Kind zu bekommen. Unter Tränen erzählt Madame M. ihre Sorgen, woraufhin Annie ihr ein unmoralisches Angebot macht. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Hélène Grémillon hat ein Beziehungsdrama geschrieben, das lange nachwirkt. Sie zeigt mit Feingefühl, wie eine kleine Entscheidung gleich mehreren Leben eine neue Richtung geben kann. Der Leser verfolgt Annies Geschichte, ihre Gefühle und empfindet mit ihr den großen Verrat.

In der Mitte des Buches wendet sich jedoch das Blatt: Grémillon erzählt aus Madame M.s Sicht. Und damit zeigt sie auf ergreifende Weise, dass es oft verschiedene Wahrheiten gibt, dass die anfangs so eindeutige Schuldfrage am Ende doch nicht so leicht zu beantworten ist. Nur offene Gespräche hätten den Verlauf der Geschichte noch ändern können. Doch dazu kommt es nicht.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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