Das Fischkonzert von Haldor Laxness, SteidlDas Fischkonzert.
Roman von Halldór Laxness
(1957/1961/1997/2001, Steidl - Übertragung Hubert Seelow)
Besprechung von A.Kl. in Neue Zürcher Zeitung vom 24.03.2001:

Laxness, neu übersetzt

A. Kl. Halldór Laxness' 1957 veröffentlichter Roman «Das Fischkonzert» spielt nach der Wende zum 20. Jahrhundert mit dem Hof Brekkukot inmitten von Reykjavik als Zentrum des Geschehens. Reykjavik war damals die einzige stadtähnliche Ortschaft in Island und zählte einige tausend Einwohner. Der gedanklich komplexe und das Detail, die scheinbare Nebensache präzise beobachtende Text reflektiert den Einbruch einer neuen Zeit, der Warenwelt, und den damit verbundenen Wertewandel. Zugleich ist das Buch auch ein Künstlerroman mit einem verkrachten Opernsänger als Protagonisten, ein Roman, in dem es einerseits um die Suche nach dem «reinen Ton» geht, anderseits aber auch um den Ort des Künstlers in der Gesellschaft. Biographischer Hintergrund ist die Auszeichnung des Autors mit dem Nobelpreis im Jahre 1955, der aus dem oftmals verfemten Linksintellektuellen mit einem Schlag einen nationalen Helden machte. Zugleich bewirkten die Niederschlagung des Ungarnaufstandes sowie das Bekanntwerden der Greuel der Stalinzeit im Jahre 1956, dass Laxness, der sich der Sowjetunion während langer Jahre freundschaftlich verbunden gefühlt hatte, Distanz nahm und «das Vaterland aller Werktätigen» öffentlich kritisierte. Der mittlerweile 40 Jahre alte Roman liegt nun in einer Neuübersetzung Hubert Seelows vor, die im Unterschied zu der seines Vorgängers Ernst Harthern auf dem isländischen Original beruht. Ein Vergleich zeigt, dass Seelow präziser als Harthern ist und dass sich seine Übersetzung auch flüssiger liest, obwohl er dem Text das Fremdartige belässt.

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