Das Erbe von Sahar Khalifa, 2001, Unions-VerlagDas Erbe.
Roman von Sahar Khalifa (2002, Unionsverlag - Übertragung Regina Karachouli).
Besprechung von Una Pfau in der Stuttgarter Zeitung vom 6.9.2002:

Ein Leben zwischen gestern und morgen
Der Roman "Das Erbe" der palästinensischen Autorin Sahar Khalifa

Sena, Tochter eines palästinensischen Krämers, ist in Brooklyn aufgewachsen. Als ihr Vater im Sterben liegt, wird sie in ihre Heimat auf der Westbank zurückgerufen. Sie soll sein Erbe antreten, obwohl er sie verstoßen hatte, als sie als junges Mädchen ein Kind erwartete. Bewusst taucht sie, die Akademikerin, in das Milieu ihrer Ursprünge ein. Als die Fremde, die Amerikanerin, wird sie zunächst misstrauisch beäugt, gewinnt dann aber Freunde in allen Schichten.

Detailfreudig und mit lebendigen Dialogen werden die Ereignisse um Fitna, die dritte, junge, etwas einfältige und aufgedonnerte Frau ihres Vaters, erzählt, die sich in der Hadassahklinik in Jerusalem künstlich hat befruchten lassen, um ihrem sterbenden Mann den gewünschten Sohn und Erben schenken zu können. Sie ist, wie die vielen Verwandten, zerrissen zwischen den strengen Bräuchen des Landes und den Verlockungen der modernen Zeiten.

Die alte Welt ist brüchig geworden. Beispielhaft ist das Schicksal von Nahla, der sittenstrengen, gebildeten, hübschen Lehrerin, die jahrelang ihre jüngeren Brüder finanziell unterstützte und mit fünfzig entdeckt, dass sie ihr Leben fast versäumt hat. Sie verliebt sich in einen alten Makler, einen einfachen Mann, der sie bewundert und verwöhnt. Ihre Brüder, die jahrelang von ihr profitiert haben, sind empört. Sie sehen die Familienehre befleckt, sperren Nahla ein. Einen ebenso kritischen Blick wie auf die palästinensische Gesellschaft wirft Sahar Khalifa auf die westliche Welt, an der sich die besser gestellten Palästinenser orientieren. Auch Nahlas Bruder Kamal, der im Ausland studiert hat, findet sich nicht mehr zurecht, als er in die Heimat zurückkehrt. Es wirkt symbolisch, dass er eine Kläranlage baut....Fortsetzung

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