Das Delta.
Roman von Kurt
Lanthaler (2007, Haymon).
Besprechung von aky in Rheinischer
Merkur, 14.2.2008:
Ein Hoch auf den Genuss!
Es ist eine außergewöhnliche Geschichte, die
der in Berlin und Zürich lebende Südtiroler Kurt Lanthaler in seinem neuen
Roman erzählt. Es ist eine außergewöhnliche Figur, die darin ihre Geschichte
vor dem Leser ausbreitet. Dieser Felide Conte Mamai, ein Findelkind, spiegelt in
seinem ergreifenden Erinnerungsmonolog, den Lanthaler in ein geschmeidiges, von
Melodie getragenes, dem Umgangssprachlichen präzis abgelauschtes Idiom
überträgt, sechzig Jahre Geschichte. Sechzig Jahres des Lebens im Delta des
italienischen Flusses Po, ausgesetzt den Naturkatastrophen, den
Überschwemmungen, kämpfend mit sozialen Katastrophen wie Armut, despotische
Behördenwillkür.
Berichtet wird auch vom Leben mit technologischen Großprojekten, die
unterfinanziert sind, letztlich aber die Existenz der Alteingesessenen und ihre
Kultur nachhaltig unterminieren. Dieser Ich-Erzähler wird als Waisenkind von
einem einzelgängerischen Flussschiffer aus dem Wasser gefischt, wächst bei ihm
auf, entflieht als Jugendlicher dem Delta, schlägt sich als Handlanger und
Arbeiter durch, holt schließlich dann auf der Abendschule das Abitur nach,
studiert Ingenieurwissenschaften, erfindet eine Maschine, die das Weiße und
Gelbe vom Ei gerecht verteilt. Nach zehn Jahren im Dienste der Technik gibt er
diesen Beruf für ein ruheloses Leben quer durch Italien auf, bevor es ihn dann
doch wieder in seine Heimat zieht. Hier stimmt er ein Loblied auf den Genuss an,
auf Essen und Trinken.
Dies alles ist nicht nur hinreißend in vielen scharf umrissenen Szenen
erzählt. Das Buch ist auch deshalb so bewegend, weil ein solch menschliches
Plädoyer für die Kulturen des Abseits schon lange nicht mehr auf dem Buchmarkt
zu finden und zu lesen war. Vor allem nicht mit einer solchen Sprachmacht und mit
einem solchen Reichtum an lustvoll linguistischen Variationen, die von selten
hoher lyrischer Qualität sind
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur.de]
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