Dantons Tod.
Theaterstück von Georg Büchner (2007, Theater Nürnberg).
Besprechung von Katharina Erlenwein aus den Nürnberger Nachrichten vom 14.04.2007:

Das unrühmliche Ende eines Egomanen auf dem Schafott
Georg Schmiedleitner inszeniert in Nürnberg «Dantons Tod» von Büchner mit Thomas Nunner in der Hauptrolle

Georg Büchner war gerade mal 22 Jahre alt, als er «Dantons Tod» schrieb. Georg Schmiedleitner inszeniert das Drama über den in Resignation scheiternden Anführer der Französischen Revolution nun am Nürnberger Schauspielhaus. Premiere ist am Samstag, 14. April.

«Das ist ein Text wie eine grob behauene Skulptur!» Georg Schmiedleitner gerät ins Schwärmen, wenn er von Büchners Stück spricht. Das hat der junge Autor und Medizinstudent 1835 quasi nebenher im Sektionssaal hingekritzelt. Uraufgeführt wurde es allerdings erst 1902. Ein «Blick in den Abgrund eines Menschen» sei das Drama, das nicht die anfänglichen Heldentaten der Französischen Revolution, sondern ihre Agonie beschreibt: Danton ist seiner Rolle als blutiger Verfechter der Rechte des Volkes überdrüssig, entdeckt nach all den Hinrichtungen seine sinnliche Seite, will sich quasi ins Private zurückziehen. Das verhindert der Hardliner Robbespierre. Das Ende ist bekannt: Danton und seine Anhänger enden auf dem Schafott.

«Es geht vor allem um den Bruch einer großen Freundschaft zwischen Danton und Robbespierre. Und wie bei jedem Auseinanderbrechen kommen dabei auch die Innereien zum Vorschein», so Schmiedleitner, der mit dem Büchner-Drama auch eine (so gar nicht geplante) Trilogie der Revolutionsdramen vervollständigt: Nach Schillers «Räubern» folgte «Verbrennungen» - ein Stück über den Widerstand Unterdrückter, allerdings in heutiger Zeit - und nun «Danton».

Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ging es Büchner weniger um die Ideale als um die Wirklichkeit des Menschen: Sein Drama ist kein Agitationstheater, sondern zeigt gnadenlos die Schwächen seiner Protagonisten. Schmiedleitner will das Dämonische, auch das Eitel-Künstlerische an diesem Danton herausarbeiten. «Der nutzt doch die Revolution nur für seine theatralische Eitelkeit! Er ist ein gefährlicher Egomane, der noch nach dem Bruch mit Robbespierre meint, ihm könne man nichts anhaben.»

Sein «Ausstieg» aus dem mörderischen Treiben der Revolutionäre zeige schließlich auch eine große Portion Zynismus. «Dieses Unbeteiligtsein kennt jeder von uns: Mit unserem Wissen und unseren Ressourcen könnten wir viel Elend ändern, Aber wir sind abgestumpft», sagt der Regisseur.

Mit seiner Inszenierung will Schmiedleitner Büchners Sicht nicht in die Moderne übersetzen. Dennoch gibt es Anklänge ans Heute: Videoeinspielungen von Aufmärschen und Demonstrationen und ein moderner Soundtrack stehen im Kontrast zu alten Perücken und Möbeln, die die Schauspieler nach und nach auf die Bühne bringen.

Seinen Hauptdarsteller Thomas Nunner pflegt Schmiedleitner «wie einen Ballack», sagt er lachend: ein bisschen Extra-Motivation, Training für das große Spiel. Dessen Ex-Freund und Gegenspieler stellt Thomas Klenk dar, den St. Just - «ein richtig fieser Agitator» - spielt Pius Maria Cüppers.

Blutig wird es auch diesmal wieder werden, «die Gefängnisszene ist schon ein bisschen brutal», gesteht Schmiedleitner. Aber schließlich ist in Nürnberg längst bekannt, dass sein Theater «auch mal weh tun» soll.

Den vollständigen Artikel mit Abb. von Katharina Erlenwein finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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