Daisy Sister von Henning Mankell, 2009, ZsolnayDaisy Sister.
Roman von Henning Mankell (2009, Zsolnay - Übertragung
Heidrun Hoppe).
Besprechung von Maren Schürmann in der WAZ, vom 30.7.2009:

Zurück zum Anfang von Kommissar Wallander
In Schweden erscheint nun der allerletzte Wallander-Krimi von Henning Mankell. In Deutschland müssen sich die Fans des schwedischen Autors mit "Daisy Sisters" begnügen, einem Roman der bereits 27 Jahre alt ist.

Der neue Mankell ist da! Neu? 27 Jahre alt ist der Roman „Daisy Sisters”, den nun Heidrun Hoppe aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzte. Der Autor hat das Buch zu einem Zeitpunkt geschrieben, als er wahrscheinlich noch nicht mal selbst den Mann kannte, der ihn in den 90er-Jahren berühmt machte: Kurt Wallander.

Henning Mankells Kriminalkommissar ließ eine Fangemeinde groß werden. Die millionenfach verkauften Krimis sind in rund 40 Sprachen zu lesen. Selbst Lesemuffel kennen den melancholischen Mann, da Mankells mysteriöse Morde mehrfach verfilmt wurden. Wobei Wallander schon mal das Gesicht verlor – und ein neues bekam. Den Polizei-Inspektor spielten der bullige Rolf Lassgård, der biedere Krister Henriksson und der britische Kenneth Branagh. Der bekannte Shakespeare-Darsteller ist nun wieder unterwegs in Schwedens Süden, um etwa „Mörder ohne Gesicht” zu drehen, in Ystad in der Region Skåne.

Depressive Stimmung

Skåne kennen alle Wallander-Fans, viele haben als Touristen die Originalschauplätze besucht. Das Gebiet spielt auch eine Rolle in „Daisy Sisters”. Dort lebt Vivi. Sie schreibt jahrelang Briefe an Elna. Die „Schwester” ist nicht bluts-, sondern seelenverwandt. Die Freundinnen treffen sich zum ersten Mal, als an den Grenzen Schwedens die Menschen vor Hitler fliehen. Ihre Fahrradtour zur Grenze Norwegens wird auch zum Höllentrip. Weil ein Soldat Elna vergewaltigt. Von ihm geschwängert möchte sie sich das Leben nehmen . . .

Eine depressive Stimmung durchzieht das Buch. Für die einfach gestrickte Elna und auch für ihre Tochter Eivor hält das Leben kein Glück bereit. Nahezu alle Männer, denen sie begegnen, können mit Gefühlen nicht umgehen, sie trinken, schlagen, vergewaltigen. Die Frauen versuchen sich zu emanzipieren. Doch sie werden gestoppt durch eine Geburt – und noch eine.

Der 61-jährige Autor zeichnet ein kritisches Bild des damaligen Arbeitermilieus und ergründet das materielle und das psychische Leid. Doch lässt Mankell die Menschen immer wieder die gleichen Fehler machen, er gibt ihnen keinen Raum für Entwicklung. Das mag realistisch sein. Aber auch ermüdend.

Der neue letzte Fall

Mankell hat erst nach „Daisy Sisters” gelernt, eine Geschichte über menschliche Abgründe und den Ruf nach Gerechtigkeit mit Unterhaltung und Spannung zu verquicken. Das fesselt mehr Leser. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum sich Mankell auf seinen Wallander besinnt? Bereits vor rund zehn Jahren hat er den letzten Fall beschrieben, doch nun erscheint im August in Schweden sein neuer letzter Fall. Zur deutschen Ausgabe kann man sich wohl Maiglöckchen kaufen.

Eine lange Zeit bis dahin. Da werden Fans ungeduldig. Der Verlag Zsolnay möchte mit dem Frühwerk „Daisy Sisters” diese Lücke schließen, bis zum nächsten, richtig neuen Mankell. „Es war Mankells Wunsch, dass dieses Buch auch in Deutsch erscheint”, so eine Verlagssprecherin über „Daisy Sisters”. „Der Autor steht noch voll hinter seinem Werk.” Ob seine Fans das genauso sehen? Manchmal lohnt es sich zu warten.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0809 LYRIKwelt © Westdeutsche Allgemeine