Dagegen.
Gedichte von Hartmut Brie (2011,
Wiesenburg Verlag, Zeichnungen von
Miro Niklewicz).
Besprechung von Sven-André Dreyer
für Schreiblust,
12/2010:
Das Pochen im Unruhestand
Der unbequeme
Lyriker Dr. Hartmut Brie schlägt wieder zu. Nach seinen bisher erschienen
Gedichtbänden “Dem Gedicht auf der Spur” (2004), “Denkspur” (2006),
“Schwachstellen” (2007) und “Gegenüber” (2009), allesamt im Wiesenburg Verlag
erschienen, legt der fleißige Brie nun seinen neuen, nunmehr fünften Band mit
dem Titel “Dagegen” vor. Und wie dieser Titel schon erahnen lässt, streut Brie
mit seinen kritischen Gedichten erneut Salz in die Wunden seiner Leser:
Kleinkriege im Seelengrund/mit Hieben und Stichen./Der gebrochene Widerstand ist
wie Selbstaufgabe./Was bleibt, ist Erleiden. so Brie in seinem Gedicht “Der
gebrochene Widerstand”. Wie bereits in seinen vorausgegangenen Werken unterteilt
Brie auch in seinem aktuellen Gedichtband seine Texte in Kapitel. So finden in
dem Abschnitt “Betroffen”, einem von insgesamt sechs Kapiteln, die Gedichte
Raum, die massiv und laut auf die Mißstände der politischen Zeit aufmerksam
machen. Nicht leise und bescheiden kommen Bries Texte daher, sie sind, im
Gegenteil, anklagend, sie sind klug, sie sind mitunter brutal! Mit intelligenten
Wortschöpfungen und pointiert gesetzten und in Lyrik gegossenen Beobachtungen,
schlägt der 1943 in Freiburg im Breisgau geborene Lyriker die Brücke zwischen
Wahrnehmung und Anklage, dann, wenn Die Globalen an der Macht frei von
Gewissenskonflikten und Die Zeichen der Zeit mit Alarmsignalen gegen die
Rafferzunft charakterisiert werden.
Wie bereits in seinem 2007 erschienen Gedichtband “Schwachstellen” holt sich
Brie Verstärkung durch den in Polen geborenen Zeichner Miro Niklewicz, der mit
seinen Arbeiten eindrucksvoll die Gedichte illustriert. Mit feinem Strich treten
die Bilder Niklewiczs in einen Dialog mit Bries Lyrik und gehen dabei eine
eindrucksvolle Symbiose ein. “Dagegen” erscheint in einer äußerst hochwertigen
Ausgabe des Wiesenburg Verlags als Hardcover mit Schutzumschlag und erschafft
eine zeitkritische Arbeit, denn Bries Texte sprühen vor Kraft und bieten dem
Leser Antrieb und Mut sich eigene Gedanken zu machen, Gedanken, die Mißstände
wie Krieg, Armut und Politikverdrossenheit aufgreifen. Denn eines, dies sagen
seine Arbeiten deutlich aus, mag der Dichter Brie überhaupt nicht: Menschen, die
in falscher Demut und Verdrossenheit schweigend zu Grunde gehen. Hartmut Brie
schafft es wieder einmal dem Unrecht dieser Welt die Stirn zu bieten - und lädt
jeden seiner Leser dazu ein, es ihm gleichzutun. Mutig und groß.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.schreib-lust.de]
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