Cosi fan tutte von Alan Bennett, 2003, WagenbachCosi fan tutte.
Erzählung von Alan Bennett (2003, Wagenbach - Übertragung Brigitte Heinrich).
Besprechung von Michael Schmitt in Neue Zürcher Zeitung vom 10.07.2003:

Fiordiligi, britisch
Alan Bennetts Roman «Così fan tutte»

Ein kleines Experiment in Sachen «Kunst und Leben», eine überschaubare Versuchsanordnung, um zu klären, was das «Schöne & Wahre & Gute» selbst dann anrichtet, wenn es eher unempfänglichen Menschen zustösst - darum geht es in Alan Bennetts Geschichte «Così fan tutte», die man in kürzerer Zeit liest, als eine Aufführung von Mozarts komischer Oper beansprucht. Mr. und Mrs. Ransome, die Versuchskaninchen des britischen Satirikers, wohnen zunächst im Covent Garden - in einer Sitzreihe direkt hinter dem Innenminister - einer Aufführung von Mozarts «Così» bei und finden anschliessend ihre Wohnung vollständig ausgeräumt vor. Es ist buchstäblich nichts zurückgeblieben, keine Klobürste, kein Teebeutel, keine Stereoanlage und auch nicht die Sammlung von «Così»-Aufnahmen, an denen sich Mr. Ransome Abend für Abend berauscht, ohne doch allzu viel damit anfangen zu können. Eigentlich verstehen beide nicht, worum es in dem Stück geht - und dementsprechend leise, wie ein ferner Widerhall, sucht sich die Frivolität von da Ponte und Mozart einen Zugang zum Leben dieses kinderlosen und in Gewohnheiten erstickten Ehepaares.

Das beginnt mit der Art, wie die beiden mit dieser Unannehmlichkeit umgehen. Er, als Gentleman auf verlorenem Posten, korrigiert als Erstes den schlampigen Sprachgebrauch seiner Gattin, die das Ganze als einen «Überfall» bezeichnet. Sie hingegen arrangiert sich zaghaft mit der Aussicht auf ein «abgespecktes Leben», ohne all die Dinge, die seit Jahren herumgestanden haben, damit man Gäste bewirten konnte, die doch nie gekommen sind. Sie kauft nun beim Koreaner um die Ecke, stellt im Drogeriemarkt fest, dass es mittlerweile Besseres als die von ihr verwendeten Damenbinden gibt, und lernt von den Nachmittags-Talkshows im Fernsehen, dass man Gefühle benennen kann - auch wenn das dort für ihren Geschmack etwas zu derb betrieben wird... Fortsetzung

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