Contrapost. Über Sprache, Kunst und Eros
Essay von Heidi Pataki (2001, Otto Müller Verlag).
Besprechung Maria Renhardt aus Rezensionen-online *Sz*, 1/2002:

Der Verarmung der Sprache entgegenarbeiten

Heidi Patakis Beziehung zur Sprache ist eine tiefgründige. Nichts kann für sie schmerzvoller und trauriger sein als "ein schiefes sprachliches Bild, eine falsche Metapher, ein verhunzter Laut". Es ist ihr geradezu ein Bedürfnis, der "Verarmung der Sprache" entgegenzuwirken. Mit Scharfsinn geht sie daran, die Alltagssprache zu sezieren und Redewendungen aus dem schillernden Faltenwurf falscher Bedeutungszusammenhänge herauszuziehen, die die tägliche Kommunikation so leichthin bereithält.

In einigen ihrer "Contrapost-Essays" liefert Pataki das geistige "Unterfutter" zu ihrer schriftstellerischen Arbeit. Denn was in ihrem Gedichtband Amok und Koma praktisch umgesetzt wird, wird hier theoretisch untermauert. Pataki durchforstet die Rumpelkammern der "Nutzsprache" und schickt sie "durch die Filter des Bewusstseins". Da das Klischee, dort die Floskeln, die hohlen Sprachhülsen, die sich zäh in der Alltags- und Mediensprache behaupten. In ihren Gedichten stutzt Pataki beherzt Sprachzersetzendes zurecht und bedient sich der Mittel der Montage. Redewendungen und Wörter werden aus ihren gewohnten Bindungen genommen, neu zusammengekleistert, verfremdet. Überhaupt durchpulst ihre Lyrik, die ein konzentriertes Sich-Einlassen auf den Text verlangt, öfters ein (sprach)ironischer Unterton, der entlarvt und entblößt zugleich, so subtil und wirkungsvoll, als hätte man Worte oder Ideologien einer schützenden Hülle beraubt. Und sujetmäßig ist das Ganze nicht minder interessant. Gedanken über den "wert oder unwert des lebens" während eines Spaziergangs im Lainzer Tiergarten, ein fensterputzender Kant samt indes "im stillen stübchen schreibender" Emma oder die Reflexion über das Ablaufdatum von Gedichten.

Ihre anregenden Essays schweifen schließlich über Kunst und Eros hinaus auf den Wienerberg. Oder ins Weinviertel, wo der Tratsch, "die einzig [hier] mögliche Form des Diskurses und der Kreativität", zum Totenglöcklein werden kann. Also keine Idylle. Pataki, die hier lebt und sogar ein eigenes Gärtlein hinter dem Hause pflegt, ist derartiges fremd. Denn "rücksichtslos stumm & schweigend liegt die Landschaft da. Die Natur artikuliert sich nicht ..."

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