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Konzert in
Oberhausen.
Konzert von Leonard Cohen (2008,
Oberhausen).
Besprechung von Jens Dirksen in der NRZ vom 4.11.2008:
Es geht sofort mit stehenden Ovationen los, den ersten von
vielen an diesem Abend: Als der hagere Versicherungsvertreter mit dem kleinen
Hut auf die Bühne der Arena getrabt kommt, erheben sich die 9000 von ihren
Plätzen, einer nach dem anderen, noch bevor der erste Ton angestimmt ist. Der
ältere Herr im schlichten Zweireiher hat aber in Wahrheit gar keine Policen im
Angebot, sondern Poesie und ungelöste Probleme: Leonard Cohen, als Liederdichter
ebenso eine Legende wie als Frauenflüsterer. Vom guten Dutzend seines vertonten
Immergrüns lässt er heute nur „Lover lover lover" aus.
74 ist der Mann nun seit Ende September, und sein mächtiger Brummbass ist noch
rauchiger, noch umarmender, noch weiser geworden – als er von der „goldenen
Stimme" singt, mit der er geboren sei, brandet Zwischenapplaus auf.
Mit vorgehaltener Hand raunt er ins Mikrophon, Zeilen, die eigentlich Verse
sind, so wie er ja eigentlich Dichter werden wollte, dieser Spross einer
wohlhabenden jüdischen Familie in Toronto, mit zeitweiligem Wohnsitz auf der
griechischen Insel Hydra, wo so viele seiner Songs wurzeln.
Ganzjahreslagerfeuer in der Mörderwelt
Wenn er dankend den Hut zum Herzen führt, kommt edles Grau zum Vorschein. Andere
in seinem Alter genießen die Welt in vollen Altersbezügen, Cohens Rücklagen aber
hat seine ehemalige Managerin verprasst. Fünf Millionen Dollar, gerichtlich
attestiert und ebenso unwiederbringlich. Aber der spendierfreudigen Dame möchte
man nachgerade dankbar sein, wenn man die drei Stunden mit Cohen und „Suzanne"
und „Marianne" und all den anderen erlebt hat.
Keine Sekunde sieht es allerdings so aus, als sänge hier einer für die Rente mit
75. Fast jeder Augenblick ist kostbar. Das schlichte Licht ist der reinste
Schönheitsverstärker, die musikalisch feinnervigen Arrangements für die
neun(!)köpfige Begleitband deuten auf unheilbare Harmoniesucht mit
gelegentlichem Hang zur Süßigkeit. Aber wer so extrazart und bluestriefend wie
Sharon Robinson und die Webb Sisters, diese Backgroundsängerinnen aus der ersten
Liga „Da-doo-damm-damm" summen, gurren, hauchen kann, darf auch das.
„Ain't no cure for love", „Bird on the wire", „Who by fire", „Boogie Street"
(zusammen mit Mrs. Robinson und einem etwas zu lauten Bass), „Democracy (is
coming to the USA)" – und im Zugabenblock nahmen endlich alle erst Manhattan und
dann Berlin. Wobei es diese fabelhafte Band hinbekam, dass das einsetzende
Klatschmarschklatschen rasch wieder erstarb – sowas passt nun gar nicht zu dem
Mann und seinem Song gewordenen Ganzjahreslagerfeuer. 1371 offiziell
registrierte Cover-Versionen gibt es bislang von Cohen-Liedern, Joe Cocker und
Johnny Cash, R.E.M und viele andere haben sich daran, darin versucht, bis hin
zum „Hallelujah", das Jeff Buckley zuletzt so scheibenverschlierend
runtergeschnulzt hat. Cohen aber kriegt auch das an diesem Abend kitschfrei hin.
Überhaupt kann keiner Cohen so wie Cohen, und der alte Cohen kann es von allen
am besten.
Ohnehin macht der mollige Schmelz drumherum ja nur erträglich, dass Cohen von
den „Killern auf den hohen Posten" und dem Morden singt, das die Zukunft bringt,
und vom Unglück, in dem die Liebe endet. Er weiß, was er tut. Und wo er steht,
selbst an diesem Abend, der auch für ihn beseelt, beglückend zu sein scheint:
„Ihr seid privilegiert", versichert er, „dass ihr an Orten wie diesem
zusammenkommen könnt, während die Welt ringsum im Chaos versinkt..." (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
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