Cogitative Erotik II.
Gedichte von André Pförtner (2005, CG Verlag).
Besprechung von
-ker aus Ixlibris, 10/2005:

"Cogito, ergo sum" – "Ich denke, also bin ich" sagte schon Descartes. Was aber hat Erotik mit Nachdenken zu tun? André Pfoertners Gedichte regen zum Nach-Denken über dieses schier unendliche Thema an. Seine Gedanken hierzu sind sinnlich, sehr poetisch; der Leser sollte sich Zeit und Ruhe zum Lesen nehmen. Dann kann er abtauchen in die Welt der Lyrik, der schönen Worte, die das wiedergeben, was jeden zumindest hin und wieder beschäftigt. Dabei taugen die Gedichte längst nicht nur für momentan Verliebte ...

Es ist bereits der zweite Gedichtband, den der Schweizer Autor durch die Frankfurter Verlagsgruppe vorlegt. "Cogitative Erotik" erschien bereits vor einiger Zeit im Fouqué Literaturverlag. Der junge Baseler, 1972 geboren, maturierte am Humanistischen Gymnasium in Basel, absolvierte verschiedene Studienrichtungen – und schrieb immer wieder Beiträge für Literaturzeitschriften, Anthologien und eben Gedichte.

"Cogitative Erotik II" gliedert sich in verschiedene Kapitel, die sich rein thematisch gleichen. Überall spürbar aber wird Liebe: Liebe zur Natur, zur Stille, zur Poesie. Doch es wird nicht immer nur dem Gefühlvollen gehuldigt. Wie schwierig es beispielsweise ist, ein Gedicht zu schreiben, wird gleich am Anfang deutlich ("Entstehung eines Gedichtes"). Hier zeigt sich, dass Dichten mehr ist als das Aneinanderreihen schöner Gedanken ... Es ist Arbeit.

Immer wieder werden Figuren und Geschichten aus der römischen, der griechischen oder der germanischen Mythologie verbunden mit eigenen Gedanken, mit Vergleichen. Und immer wieder auch zeigt sich André Pfoertners detaillierter Blick für das Schöne.

Da ist der kleine Mensch inmitten von Urgewalten, göttlicher Bestimmung und Kosmos. Und Wohl dem, der erkennen kann: "Ja, dann erfasst ihr einen Bruchteil von dem Schönen."

Ein Großteil des Buches umfasst natürlich das Hauptthema "Erotische Träume". Auch hier gibt es wieder Mythologie, es werden Göttinnen besungen – und das in bester Tradition klassischer deutschsprachiger Dichter. Der Abendstern wird ebenso bedichtet wie der Mond. Wer es romantisch mag, wird hier ganz bestimmt Vergnügen finden und auf seine Kosten kommen. Und dass André Pfoertner dabei durchaus den Alltag nicht aus den Augen verliert, zeigt das Ende vieler "Traumgedichte". Oft folgt ein jähes Erwachen, eine Rückkehr in die Wirklichkeit.

Zudem gibt es die andere Seite der Erotik ... in sehr deutlichen, aber niemals obszönen Worten schreibt André Pfoertner hier im wahrsten Sinne des Wortes Lust-betont. Ob eine Hommage an Casanova oder eben wieder mythologische Figuren der Mittelpunkt der Gedichte sind – dieser Abschnitt des Buches zeigt sich sehr erotisch.

Last but not least ist das letzte Kapitel "Ende einer Beziehung" dem gewidmet, was oft leider unausweichlich scheint: dem Schmerz, dem Leid, der Trauer – der Erinnerung. Und auch das klingt sehr authentisch: "Der Dichter in mir ist tot" ...

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