Cogitative Erotik.
Gedichte von André Pförtner (2002, Fouqué-Verlag).
Besprechung von
-csc aus Ixlibris, 07/2002:

Vom Zauber der Liebe

Sanft tastet ein mondener Finger
An eine Pfirsichspalte sich heran
Und wie zwei nächtliche Ringer
Zünden zwei Sterne
sich wechselseitig an.

So beginnt ein Text in André Pfoertners Gedichtband Cogitative Erotik mit dem Titel Der Geschlechter nächtliches Spiel. Trotz des Titels liegt der Schwerpunkt der Texte nicht nur auf den erotischen Seiten der Liebe, sondern man erhält einen umfassenden Blick auf die Liebe überhaupt. Pfoertner führt den Leser weit in die Geschichte zurück – bis hin zum Gilgameschepos wandert er in seinen Texten auf den Spuren der verschiedenen Arten der Liebe. Körperliche Anziehung, das Sich-Kennenlernen und die Abenteuerreise auf, um und in den Körper des Partners sind ein wichtiger Teil der Liebe, die Pfoertner beschreibt. Gegenseitiges Entdecken von Neuland, von ungeahnten Blickwinkeln, das Erkennen des eigenen Spiegelbildes im glänzenden Auge des Gegenübers und die unzählbaren Facetten der Liebe ergänzen das. Auf der Reise durch die Zeit, auf der Suche nach berühmten Liebespaaren landen wir in Babylon, sehen die Hetären auf der Suche nach dem Liebhaber, auf Ischtars Spuren wandelnd. Proserpina treffen wir, Shakespeares Puck durchgeistert einen Text – alles Formen der Liebe und des Zusammenlebens, Geschichten von Anziehung und Abstoßung, die das Leben so spannend, ungewiss und aufregend machen. Ein Text ist einem Freund zu dessen Eheschließung gewidmet – Yin und Yang müssen sich gegenseitig ergänzen, brauchen einander, um vollkommen zu werden.
Der Autor, der in seinen Texten nebenher sehr viel Wissen um Geschichte, tiefe philosophische Zusammenhänge und auch an Begeisterung und Freude für das Thema spüren lässt, beschreibt vor allem in den Gedichten, die eher realen Frauen zugedacht sind, einen sensiblen, zärtlichen Umgang miteinander. Er kann noch staunen vor der Schönheit einer Frau, die er nicht an körperlichen Dingen festmacht. Immer ist spürbar, dass die Ausstrahlung der Frau neben ihrem Aussehen ein sehr bedeutender Faktor ist. Der coolen Managerin, top im Job, sehr engagiert, einer regelrechten Superfrau, gibt er Wünsche mit auf den Weg, die von Reife und Tiefe zeugen. Wer hart sein muss, darf auf weich sein, wer kämpft, muss ruhen, wer einen Teil seines Wesens im Beruf stark nach außen tragen muss, darf einen anderen Teil im privaten Leben zeigen und ausleben. Pfoertner hat den ganzen Menschen im Blick, sieht nicht nur einzelne hervorstechende Merkmale, sondern erhält sich seine Neugierde und seine Entdeckerfreude am anderen Menschen.
Musik ist eine wichtige Sache in Pfoertners Texten, nicht nur wegen der zarten Röte einer Flötistin, nein, eher wegen der Schönheit der Schwingungen, die so eng mit dem zarten Flirren zwischen Liebenden verbunden ist. Kein Paar, das nicht "sein" Lied hätte, und doch ist es auch eine ganz besondere Beschreibung einer hoffentlich lebenslänglich anhaltenden Liebe, als Pfoertner sich ein Violinkonzert anhört und seine Gefühle wiedergibt.
Beim Filmschauen kommt man sich gern näher, wie nahe sogar bei einem Western, erfährt man in "Kino". Einige ihn besonders beeindruckende Frauen hat Pfoertner in seinen Texten verewigt. In "Schönheit vom Lande" und "Sternzeichen Jungfrau" lernen wir unterschiedliche Frauen kennen und erfahren, welche Seiten sie im Autor zum Vorschein bringen. An diesen beiden Texten kann der Leser schön sehen, dass Pfoertner sein Versmaß dem Thema anpasst – zur vollbusigen Naturfrau, frei wie der Wind, passt ein ganz strikt eingehaltenes Versmaß einfach nicht, da muss man nicht nur Mieder, sondern auch Zeilen sprengen dürfen.
Die Natur ist ein weiteres Thema in Pfoertners Texten – der Mond, das Feuer, Morgenstimmung (nicht die von Grieg, aber sicher aufregender ...), Bernsteinbetrachtungen und immer wieder die Farben und das Licht des Herbstes führt Pfoertner in einfühlsamen Texten vor Augen. Immer befinden sich Menschen in den Naturbildern, zaubert die goldene Herbstsonne Reflexe in Locken, entzünden sich Herzen und Körper. Eine kleine Wanderung also nicht nur in der Geschichte, sondern auch rund um das Jahr macht der Leser, vor dem Auge erstehen mutige, starke, schüchterne, weiche Frauen, Frauen, die ebenso geben wie nehmen, sehen wir Beziehungen im Gleichgewicht, voll zärtlicher Liebe, die auch einmal machtvoll und stark wie ein reißender Fluss alles mit sich ziehen kann. Stets sind es Texte voller Achtung und Bewunderung für den weiblichen Körper, der nicht nur körperliche Lust auslöst, sondern vor allem auch einen gegenseitigen Austausch, ein Halten und Umfassen, ein Begehren und Loslassen, ein Gleichgewicht, ein fließendes Sein ermöglicht, oder, wie Pfoertner selbst es in Liebe formuliert:
Von dieser inner’n Hitze angefacht,
Unendlich langsam und mit Ruh:
Der Kontinente Flirt. Und sacht
Streben Lippen einander zu.
Sie kennen keine Eile und kein "Muss",
Jedoch die Sicherheit des "Irgendwann".
Mit soviel Liebe, Zärtlichkeit, Genuss.

Spiel’n sie das schöne Spiel von Frau und Mann.

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