Cobra.
Roman von Frederick Forsyth,
(2010).
Besprechung von Caro Wiesauer aus Kurier, Wien vom 19.11.2010:

Forsyth-Roman: Kampf gegen Drogenhandel
"Cobra", der Roman von Frederick Forsyth, ist eine unkorrekte und sicher sehr wahre Analyse der Machtlosigkeit im Kampf gegen Kokainhandel.

Es ist keine Frage der Moral. Wenn Kinder umgebracht werden, muss man den Mördern den Kampf ansagen und gegen sie in den Krieg ziehen. So sieht das auch der US-amerikanische Präsident, der Barack Obama sehr ähnelt, im Jahr 2011. Er beauftragt Paul Devereaux (Deckname "Cobra") damit, dem globalen Kokainhandel ein Ende zu setzen.

Die Cobra ist kein James Bond der heutigen, schnuckeligen Sorte, sondern ein alter, schlauer Fuchs, der sich zur Ruhe gesetzt hatte. Besser gesagt: Nachdem der Ex-CIA-Agent vor Nine Eleven beinahe Osama bin Laden geschnappt hatte, wurde er gefeuert. Der Grund: Er war zu rücksichtslos. Gegenüber den Feinden.

Geheime Mission

Bevor Devereaux den Job annimmt, stellt er Forderungen, die das Weiße Haus kräftig ins Schwitzen bringen: Vollmachten, Geheimhaltung, ein selbst gewähltes Team aus anderen Veteranen und Elitesoldaten, Unabhängigkeit - und ein Budget von zwei Milliarden Dollar. Der wichtigste Schachzug dabei: Drogendealer müssen per Gesetz mit Terroristen gleichgestellt werden ...

Frederick Forsyth beschreibt die darauf folgenden Vorgänge - in den Kapiteln "Züngeln", "Zischen", "Zuschnappen" und "Zerstören" - nicht Schritt für Schritt, sondern Schlag auf Schlag. Minutiös aufbereitet und im großen Stil komponiert, entspinnt er ein weltumspannendes Szenario, das so plausibel daherkommt , dass man meint, eine Gebrauchsanleitung zur Zerstörung von Drogenkartellen in der Hand zu haben. Und dabei ist schon die Planungsphase hochspannend.

Die Hauptschlagadern der Transporte werden mittels Hightech-Equipment, das sich in umgebauten Kampf-Bombern, Frachtern und Drohnen manifestiert, abgeschnitten. Bosse, Schmuggler und Dealer werden gegeneinander aufgehetzt, um sich selbst auszuschalten. Das Ziel, so viel Gift zu beschlagnahmen, dass es das kolumbianische Kartell schmerzt, ist bald erreicht.

Doch der so angezettelte, globale Krieg macht nicht Halt vor den Toren US-Amerikas. Bald toben Schlachten auf den Straßen. Das mögen Wähler nicht so gern. Und damit hat die Giftschlange offenbar von Anfang an gerechnet ...

Forsyth hält sich nicht auf mit Charakterisierungen seiner Helden oder deren Feinde. Psychologisierende Befunde wird man in diesem Thriller vergeblich suchen. Wider jegliche Agenten-Tradition gibt es nicht einmal Sex. It's a Man's World.

Zwischenmenschliches findet bei Forsyth auf den Ebenen von Gehorsam und Funktionieren statt. Emotionen kann man sich nur als Leser leisten. Wobei einem gerade die gnadenlose Geradlinigkeit, mit der der Autor die Handlung vorantreibt, schon mal die Luft vor Entsetzen abschnüren kann.

Für das grimmige und gnadenlose, Menschenrechte missachtende Vorgehen seines Protagonisten in diesem seinen 13. Roman wird Forsyth da und dort angegriffen. Ein Schrei nach autoritärer Diktatur stecke hinter seinen Weltansichten.

Die Rezensentin kann diese Meinung nicht teilen. Es ist ein Schrei nach Gerechtigkeit. Ein Aufzeigen der Machtlosigkeit, des Guten gegenüber des Bösen. Eine Anklage gegen Verlogenheit, die sich hinter Korrektheit versteckt. Es ist der Lauf der "zivilisierten" Welt.

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