Chorprobe von Sabine M. Gruber, 2014, Picus1.) - 2.)

Chorprobe.
Roman von Sabine M. Gruber (2014, Picus Verlag).
Besprechung von
Johannes Preßl aus Rezensionen-online *biblio*, 2014:

Eine junge Frau im Spannungsfeld zwischen einem neurotischen Dirigenten und der großen Liebe. (DR)

Seit ihrer frühesten Kindheit hat Cindy den Wunsch, einmal als umjubelter Star auf der Bühne zu stehen. Nach einem abgebrochenen Jusstudium arbeitet sie für einen Hungerlohn als Sekretärin bei einem Wiener Rechtsanwalt, da tut sich mit dem Eintritt in den "Chorus" die Chance auf, einmal im Rampenlicht zu glänzen und Anerkennung zu ernten. Der Chorus singt international in der ersten Liga. Deshalb ist es für jedes Mitglied das Ziel, für einen Auftritt berücksichtigt zu werden. Diese Situation wird von Prof. Wolfgang G. Hochreither, genannt Wolf, schamlos ausgenutzt. Wolf hat ein gestörtes Verhältnis zu Menschen im Allgemeinen und zu Frauen im Besonderen. Er vereinnahmt sie, macht sie abhängig, nützt sie aus und lässt sie am Ende eiskalt fallen. Auch Cindy droht den erotischen Avancen des Chorleiters zu erliegen und sich immer mehr in einem Wechselbad der Gefühle zu verlieren, da begegnet sie dem Gartenarchitekten Emil und die Geschichte scheint auf ein sicheres Happy End hinzusteuern. Doch Sabine Gruber lässt sich mit der Schlusspointe Zeit und schafft somit ein Szenario, das der Realität beklemmend ähnlich kommt.
Man merkt mit jeder Zeile, dass die Autorin die Musiker-Szene und die Mechanismen, die dahinter stecken, aus eigener Praxis kennt. Sabine Gruber entwickelt in diesem Roman ein fein abgestimmtes Szenario, das den Leser von der ersten Seite an in den Bann zieht. Ein rundum gelungenes Buch!

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Chorprobe von Sabine M. Gruber, 2014, Picus2.)

Chorprobe.
Roman von Sabine M. Gruber (2014, Picus Verlag).
Besprechung von
Winfried Stanzick bei Amazon, 17.11.2014:

Ein wunderbarer Roman über die Kraft und die Trostkraft der Chormusik
Schon in ihrem letzten Roman „Beziehungsreise“ 2012 thematisierte die in Klosterneuburg bei Wien lebende Schriftstellerin und Musikpublizistin Sabine M. Gruber die Beziehung einer Frau zu einem psychopathischen Mann. Es ging um männliche Macht und weibliche Unterordnung, die Illusion von Liebe und so etwas wie Erlösung nach einem langen vergeblichen Leiden.

Auch in ihrem neuen Buch, das ich mit Spannung erwartet und mit Begeisterung und Betroffenheit fast in einen Ruck gelesen habe, variiert Susanne M. Gruber dieses Thema. Sie selbst scheint damit noch nicht fertig zu sein. Wenn es auch nur einen kleinen biographischen Anteil am Schicksal und den Lebens- und Lebensgeschichten ihrer beiden Protagonistinnen in den beiden Roman gibt, nimmt das auch nicht wunder. Denn mit dem, was Sophia in „Beziehungsreise“ und Cindy in „Chorprobe“ mit Männern, zu denen sie sich hingezogen fühlen, erleben, kann nicht vergessen werden, selbst wenn es zu einem späteren Zeitpunkt im Leben einen anderen, liebevollen und nicht machtbesessenen Mann geben wird, dessen Liebe und Verständnis vieles heilen kann.

War „Beziehungsreise“ die sozusagen rückwärts erzählte Leidens- und Befreiungsgeschichte einer Frau, die die fast tödlichen Fallen sich unterordnender weiblicher Liebe beschrieb, und in dem auch die harten Bandagen im Literaturbetrieb Thema waren, geht es in „Chorprobe“ um eine chronologisch erzählte Geschichte einer Frau, um viel Musik und um die der Chormusik innenwohnende Spiritualität und Heilkraft.

Selbst wenn man wie der Rezensent nur auf einige Jahre laienhafter Praxis in den Kirchenchören seiner Gemeinden zurückblicken kann, selbst wenn man nie selbst gesungen hat, die poetischen Beschreibungen der Texte und der Musik und ihre Wirkung auf die weibliche Hauptperson Cindy, sind Prosa voller Anmut und Schönheit.

Cindy ist eine alleinstehende Frau, die für ihr Leben gerne singt und deshalb auch seit langem Gesangsstunden nimmt, die sie sich mühsam von ihrem knappen Gehalt abspart. Als sie eines Tages eine Einladung zum Vorsingen bekommt, ist sie ganz euphorisch. Denn dem sie da zeigen soll, was sie kann, ist niemand Geringeres als der charismatische und über die Grenzen Wiens berühmte Leiter des ruhmumrankten „Chorus“, Wolfgang G. Hochreither, genannt „Wolf“.

Als ein solcher stellt sich dieser innen zutiefst unsichere Mann dann auch heraus, ein Mann, der in der Behandlung seiner Chormitglieder wie ein Macho auftritt und seine Minderwertigkeitskomplexe mit unsäglichen Machtexzessen bekämpft.

So wie alle anderen Chormitglieder, von denen sich Cindy mit einigen anfreundet, leidet sie von Anfang an unter Wolfs Terrorregime. Warum sich diese Menschen, Frauen ebenso wie Männer, das alles gefallen lassen, sich immer wieder bei sehr geringem Honorar selbst für große internationale Auftritte von Wolf und dessen stasihaftem internen Bespitzelungssystem gängeln, verletzen und entwürdigen lassen, fragt man sich als Leser schon sehr bald. Genau wie vor zwei Jahren bei Sophia in „Beziehungsreise“.

Sind es die überaus beglückenden Momente, die Cindy auf Konzertreisen des „Chorus“ mit dem musikalisch und menschlich begnadeten Stardirigenten Viktor von Weiden erlebt, die sie das psychopathische Verhalten Wolfs ertragen lassen? Oder sind es die immer wieder seit dem ersten Vorsingen gemachten amourösen Avancen Wolfs, die ihr schmeicheln und sie in seine Falle tappen lassen?

Doch „Chorprobe“ ist nicht nur ein wunderbarer Roman über die Kraft und die Trostkraft der Chormusik, wie sie die menschlichen Seelen öffnet und sich wie Balsam heilend über die Wunden legt, es ist auch ein Roman über männliche Macht und Arroganz und weibliche Duldsamkeit.

Aber nur bis zu einem gewissen Punkt kann Wolf sein Spiel mit Cindy und den anderen Chormitglieder treiben. Geschickt webt Sabine M. Gruber eine Krimihandlung in ihren Roman ein, der genau wie der immer stärkere werdende Drang Cindys nach Befreiung und einer anderen Form von Liebe und Zuneigung für eine sich bis zuletzt steigernde Spannung sorgt.

Sabine M. Gruber hat ihrem Roman ein Zitat Adornos vorangestellt, das dem Leser erst nach beendeter Lektüre plausibel wird.
„Allerdings kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass bereits der Chorklang als solcher etwas Illusionäres in sich enthält, dass er den fatalen Anschein einer sogenannten heilen, geborgenen Welt inmitten der ganz anderen hervorbringt. Allzu leicht macht es den Einzelnen glauben, in Einverständnis und Harmonie von Mensch zu Mensch aufgehoben zu sein, wie sie in der Struktur der gegenwärtigen Gesellschaft nicht vorhanden sind. Die Chorgeselligkeit erzeugt künstliche Wärme.“

Ernst Bloch, der große Philosoph der Hoffnung, hätte so nicht geurteilt. Er hätte in der Trost- und Hoffnungskraft der Musik einen Vorschein dessen gesehen, was noch nicht erschienen ist. Nicht ein Element der Verschleierung, sondern eine Dimension, die Befreiung, auch persönliche aufschließt und möglich macht. Sabine M. Gruber hat das in ihrem Buch meisterhaft gezeigt.

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