Chicken Christl von Martin Amanshauser, 2004, Deuticke

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Chicken Christl.
Roman von Martin Amanshauser (2004, Deuticke).
Besprechung von Christina Gastager-Repolust bei Rezensionen-online *bn*:

Die Abweichung vom Normalen in unterschiedlichen Ausformungen, dargeboten in süffisantem Erzählton. (DR)

Selten bietet die Rückseite eines Buches eine wirkliche Reibefläche, an Martin Amanshausers neuem Roman können sich nicht nur Diskussionen, sondern auch Streichhölzer entzünden. Der Ich-Erzähler Mika Koegl hat an jeder Hand einen Finger zu viel, die Freundin hat ihn - nicht wegen dieser Anomalie - verlassen und zwischen dieser Enttäuschung und der Entführung durch politische Fanatiker hat er noch Zeit, über seinen Großvater, den ehemaligen US-Präsidenten Major Koegl, nachzudenken. "Manchmal starre ich auf meine Hände. Sie haben nie gemordet. Sie sind makellos", schreibt der vermeintliche Großvater-Klon und studiert seine sechsfingrigen Hände. Die Kunst des Selbstzitates beherrscht Amanshauser, und lässt die Biographie des Ahnen "Chicken Koegel" gleich mit "100.000 verkauften Exemplaren" glänzen. "Schräg" ist bis heute keine anerkannte literaturwissenschaftliche Kategorie, Martin Amanshauser könnte sie dazu erheben. Das wäre er seinen Leserinnen und Lesern schuldig, die seine Antihelden in ihren sexuellen und anderen Nöten so gut verstehen. "Bevor ich von Wahnsinnigen entführt wurde, die mich zu ihrem Gott machen wollten, erlebte ich eine längere Krise." Auf diese Krisen können sich jene LeserInnen, die weder vor ausufernder Komik noch latenter Paranoia zurückschrecken, bei Amanshauser verlassen.

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Chicken Christl von Martin Amanshauser, 2004, Deuticke2.)

Chicken Christl.
Roman von Martin Amanshauser (2004, Deuticke).
Besprechung von Erika Wurzenrainer in DUM - Das alternative Magazin:

Ich trage blaue Hosen, jeansblau, bloß stärker, ein kräftiges Blau.
Beinah auffällig.
Das Hemd mit breiten Armkrempen, wie immer diese aussehen, ist ziemlich gelb.
Ich bin frech. Mein Kurzhaarschnitt ist jung.

Die Schuhe sind neu und von undefinierter Farbe. Der Schuhverkäufer umschmeichelte mich mit einfachen Worten, delikat und süß sodass ich von deren Schönheit und Bequemheit überzeugt bin.
So wie ich aussehe, könnte ich auf (fast) jede Party, in (fast) jede Gesellschaft, ich könnte mich (fast) überall dazustellen und könnte mich (fast) verständlich machen.
Was man an mir sieht ist die Oberfläche und mehr will ich nicht und das stimmt nicht:
Das Quentchen Philosophie, das in keinem Kasten fehlen darf, muss auch im Kopf sein, in der Sprache, die er spricht, muss im Buch sein, sonst kann man diese Dinge weder tragen noch anziehen. Lesen ausgeschlossen.

Fazit: es blitzt dich an, ein Schalk mit spitzen Augen. Und es sind mehrere und sind es viele, die aus den Seiten hüpfen und hie und da schlurft eine Art Fraumannfrau von mittlerem Wuchs, und die Haare sind struppig und in einem weißen Knoten verstrickt, über die Zeilen bemerkt sie dich. Pyromanen werden dieses Buch lieben.

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