Byrons Feldbett von Dagmar Leupold, 2001, S.FischerByrons Feldbett.
Gedichte von Dagmar Leupold (2001, S. Fischer).
Besprechung von Martin Krumbholz in Neue Zürcher Zeitung vom 1.11.2001:

Feldbett, durchgelegen
Dagmar Leupolds neuer Gedichtband

Kann es wahr sein, dass eine exzellente Schriftstellerin wie Dagmar Leupold ihren Ruf mit einer Kollektion derart banaler, nachlässig und gedankenfaul gearbeiteter Gedichte aufs Spiel setzt? Man mag es kaum glauben, wenn man den Band «Byrons Feldbett» durchblättert, wie uninspiriert, wie schlicht und nicht selten auch wie schlecht die Prosaautorin und Lyrikerin hier ihre Verse gesetzt hat. Wie beliebig, wie entbehrlich das Allermeiste davon ist.

Ein Beispiel, das Gedicht «Regie»: «In einem Schrottfilm gesessen / und Schrotttränen vergossen / den Schrottabschied zu vergessen // jetzt bevölkern meine Trauer / Gesichter / mit amerikanischen Namen / und einwandfreiem Lächeln // Soundtrack allmächtig // Ach / Du.» Die dreifache Bemühung des Begriffs «Schrott» mag als alarmierender Paukenschlag eben noch hingehen, obwohl die Pauke reichlich dumpf tönt. Wieso aber ist der Soundtrack allmächtig, und was erzählt uns das in Verbindung mit dem emphatisch angerufenen «Du», das das Gedicht so theatralisch beschliesst? Vollends verräterisch ist die Verwendung des Prädikats «bevölkern», das sich weder zum Subjekt «Gesichter» noch zum Objekt «Trauer» sinnvoll fügen will: Eine Trauer lässt sich beim besten Willen nicht bevölkern, und Menschen, nicht Völker sind es, die Gesichter haben. In diesem kurzen Gedicht lässt sich ganz offensichtlich ein lyrisches Subjekt von diffusen Gefühlen übermannen, statt sie formbewusst und gedankenstreng auf den Begriff zu bringen....Fortsetzung

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