Bruchharsch von Markus Köhle, 2009, SkarabaeusBruchharsch.
Gedichte von Markus Köhle (2009, Skarabäus).
Besprechung von Kathrin Kuna in DUM - Das alternative Magazin, 2009:

Der Titel und auch die Einteilung des Buches in die drei Abschnitte firn, harsch und sulz lassen vielleicht auf einen Roman über einen Skilehrer oder ein Lawinenunglück schließen. Wahr ist vielmehr, dass es sich hierbei überhaupt nicht um einen Roman handelt. In diesem kleinen, feinen Buch sind Prosastücke in Form von Oden an die Geliebte und/oder die Liebe selbst, an den Irrsinn und Wahnsinn, Dialoge und Monologe, frei von Vernunft, voll von Humor und Wortwitz versammelt.

Dass Stabreime nicht Schnee von gestern sein müssen und auch die guten alten Dichter zitiert und gut untergebracht werden können ohne ein verkrampftes oder oberflächliches Popliteraturgedöns zu produzieren, zeigt Markus Köhle nach den beiden Titeln Pumpernickel (2003) und Couscous á la Beuschl (2004) erneut. Auf die Feststellung Die Liebe ist ein Irrgarten. folgen Rilkes Verszeilen Singe die Gärten, mein Herz, die du nicht kennst;... Reflexionen über das Schreiben (auch in Verbindung mit der eigenen katholischen Herkunft) finden sich ebenso wie Abhandlungen über schrecklichen Schnupfen. Die Meinung zum Bodymaßindex wird in einem Satz mit Kritik an globaler Erwärmung erwähnt.

Nektarinen sind Nudisten

Hier gibt es keine Grenzen, und wenn, werden sie überschritten oder umgedreht, nie respektlos oder beliebig, nie ohne Humor: Vom Streben zum Sterben ist es nur ein kleiner Schritt. In den Körperrevolten und Notizbuchverdichtungen finden sich großartige Beobachtungen, beispielsweise, dass Nektarinen die Nudisten unter den Sommererfrischungsobstsorten sind, und, dass Fundwinkel in Mundgruben auftauchen können. Markus Köhle ist Poetry Slammer und Wortvertreter. Seine Alltagsallegorien thematisieren Schwarzweißexistentialismus ebenso wie Nasenorgasmen.

Es ist nicht so selbstverständlich in der gegenwärtigen österreichischen Literatur jemanden zu finden, der das Treiben im Augarten ebenso ironisch liebevoll kritisieren kann wie die Mächte der eigenen Disziplinlosigkeit. Angst und Freude, zwei Freunde. Humor ein guter Begleiter, um bald Sätze wie den folgenden über die eigenen Lippen zu bringen: Und dennoch, du bist mein Pol-Stern - ich vergrab mich gern mit dir in Polstern. Lesen, lachen und genießen!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter DUM]

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