Brach.Land von Minnie Maria Rembe, 2001, Wiesenburg-VerlagBrach.Land.
Gedichte von Minnie Maria Rembe (2001, Wiesenburg).
Besprechung von Erich Rückleben:

„Auszeit“
Ansichten & Einsichten zu Minnie Maria Rembes neuem Gedichtband „Brach.Land“

Einen weiten alternierenden Bogen spannt die Lyrikerin Minnie Maria Rembe mit ihrem Gedichtband Brachland, der sich in vier Kapitel gliedert, die freilich alle miteinander kommunizieren und trotz wechselnder Perspektive den Standpunkt des lyrischen Ich’s nie aus den Augen verlieren. Dabei ist die Autorin bei der Mehrzahl ihrer Gedichte darum bemüht, auf wenige Verszeilen und äußerste Form- und Sinnverdichtung zu reduzieren. Verknappung, Drosselung der Lyrizität, sind Stil- und Formmittel als auch die wechselnden Tonfälle und ebenso die taktisch metaphorischen Mechanismen. Sie folgt bewusst ihren Sprachimpulsen, Tiefe auslotend und den Dissonanzen im Spannungsgefüge des Gegensätzlichen Stimme und Wort gebend. Sie verzichtet indes ebenso wenig auf das Wortspiel als auch auf den spielerischen Umgang mit der Sprache, dies aber freilich so gekonnt, dass sie damit nie aus dem Terminus alles verbindender Tonsprache fällt.

Die Reduktion auf das Wesentliche zeichnen die Gedichte Minnie Marie Rembes im Besonderen aus. Kein Wort zu viel, noch zu wenig und doch ist alles gesagt, wie das Gedicht „NUR DORT“ anschaulich vermittelt: „Ich bin / bei dir // wo sonst // bin ich / je gewesen“. Ambiquität ist nicht das Mittel der Autorin, um die Destillation inspirativer Gedanken zu verdichten. Vielmehr dominiert die Formel, das Sagbare eindeutig in knapper Wortkonstellation zu transportieren. Und dies in nüchterner Sachlichkeit bis hin zur Unterkühlung.

Thematisch vermittelt die Autorin ein breites Spektrum eigenen Erlebens als auch die Transformation realer Wirklichkeit in die Wahrheit ihres geistigen Verarbeitungsprozesses. Poetisch überhöht und aus dieser Sicht die Nähe zu sich selbst, zum Menschen, der Natur und der Welt suchend, findet sie dort ihren stärksten Ausdruck, wo sich ihre Worte zur reinen Poesie verdichten – wenn sie sagt: „Du bist / ein Engel // Leihe / mir manchmal // deine Flügel“. Präzicion in Kürze beeindruckt hier den Leser, und das nachhaltig und zeitlos. Aber ebenso nimmt sich Minnie Maria Rembe zeitidentischer Themen an, die von Naturzerstörung über politische und gesellschaftspolitische Kritik, bis hin zu dem vom Zeitgeist geplagten homo technikus reichen.

Und immer wieder spürt man, wie das Wort die Autorin an die Hand nimmt und sie führt, freilich aber auch dazu verführt, manchmal einen Schlenker zuviel zu wagen, zuviel zu sagen und dabei wäre weniger eben mehr gewesen. So, als würde man durch ein letztes überflüssiges Steinchen die ganze Statik eines Gebäudes zum Einsturz bringen. Freilich beschränken sich diese Stolpersteinchen auf einige wenige Gedichte, die Mehrzahl und namentlich jene, die sich reduktiv vermitteln, zeichnen eine in sich geschlossene Sinnverdichtung aus, wie das Beispiel ihres Gedichtes „KLAGE“ eindeutig beweist: „Noch vor / Monden // ein Platz / auf deiner Insel // in diesen / Tagen // kein Raum / für eine Stunde“. Oder wenn Minnie Maria Rembe fragt: „WAS IST GLÜCK?“ und antwortet „wenn ein Mensch / in deine Seele / eintaucht“.

Der Titel des Gedichtbandes ist in seiner Mehrdeutigkeit nicht präzise zu definieren, aber wenn wir ihn als Metapher und im Kontext zum Ganzen sehen, dazu noch ihre beiden Titelgedichte hinzu nehmen, dann ist Brachland eben jenes Refugium, das Minnie Maria Rembe sehr gekonnt abarbeitet. Und folgen wir ihrer eigenen Interpretation „Brachland“, dann vergleicht die Autorin die Auszeit in der Natur mit der Brache des menschlichen Lebens. „Auszeit“ reklamiert aber auch die Lyrikerin Hilde Domin für das Gedicht schlechthin, was wiederum jene „Insel Gedicht“ bestätigt, von der Hofmannsthal und Mallarmé sprechen.

Die insgesamt 73 Gedichte von Minnie Maria Rembe sind Lyrik, die mit bester Empfehlung weitergegeben werden kann und eine Autorin bestätigt, die einmal mehr ihre Leser finden wird.

Zu erwähnen bleiben noch die hervorragende Ausstattung des Buches und die gelungenen Grafiken von Nijen Almut Rettig.

Leseprobe I Buchbestellung 1201 LYRIKwelt © Wiesenburg-Verlag