Bochumer Häuser von Rainer Küster, 2013, AthenaBochumer Häuser.
Neue Geschichten von Häusern und Menschen von Rainer Küster (2013,
edition exemplum im Athena Verlag, mit Illustrationen von Thomas Zehnter und zwei Federzeichnungen von Karl F. Gehse).
Besprechung von Michael Starcke für Rezensionenwelt.de, August 2013:

Auch Rainer Küsters zweites Bochumer Häuser-Buch ist wieder eine wahre Fundgrube, ein Geschichts- und Geschichtenbuch der besonderen Art, gewissenhaft und sorgfältig recherchiert.
Dreh- und Angelpunkt sind natürlich die Häuser, in einem weiteren Sinn gefasst, denn auch das Vereinsheim eines Fußballclubs, Taubenschläge und ein Friedhof sind unter anderen, sehr unterschiedlichen, dabei.

Es werden, wie könnte es anders sein, natürlich auch die Menschen zur Sprache  gebracht, jene die die Häuser erbauten, jene die in ihnen wohnten und wohnen oder arbeiteten, genau wie die, die den Autor auf die Häuser hinwiesen und mit Informationen nicht geizten, Betroffene und Wissende vor Ort.

In allen Geschichten gelingt es Rainer Küster schon einleitend einen ganz persönlichen Bezug zu den besprochenen Häusern und ihrer Geschichte zu schaffen, mitunter mit einem völlig anderen Thema, einem Romantitel zum Beispiel oder augenzwinkernd  mit einem wissenschaftlichen, philosophischen Thema wie Hans Blumenbergs „Arbeit am Mythos“.

Auch persönlicher Ärger, wie zum Beispiel eine alberne Sitzplatzumverteilung auf dem Fußballplatz (Rainer Küster ist bekennender Anhänger des Vfl Bochum und schon ewig Inhaber einer Dauerkarte) können eine Geschichte einleiten, doch sie führen immer auf wunderbare Weise zum springenden Punkt.

Ebenso gelingt es dem Autor, auch am Ende jede Geschichte mit einer persönlichen Überlegung oder Beobachtung abzurunden, oft sinnend und nachdenklich, dass man als Leser noch lange in der Geschichte bleibt oder sie noch einmal von vorne liest. Rainer Küsters Wahl bedeutet auch das persönliche Errichten eines Archivs des Erinnerns und fördert damit die Kultur des Nichtvergessens, die auch eine politische ist, wenn in der „kleine(n) Rathausgeschichte“ etwa vom Naziterror berichtet wird, der den damaligen Bürgermeister Otto Ruer in den Selbstmord trieb, oder in der Geschichte „Kunst auf Lothringen“ über ein Zwangsarbeitslager zu sprechen ist.

Vielgestaltig sind die Häuser, die Eingang ins Beschreiben und Schreiben des Autors fanden, die baulichen Überreste einer ehemaligen Brauerei, der Schlegelbrauerei, sind dabei, die Theodor-Körner-Schule, Rainers Küsters ehemalige Arbeitsstelle, die Krümmede, die Bochumer JVA, die Burg Blankenstein oder „Ehrenbergs Häuser“, in denen Hans Ehrenberg, ein Judenchrist, der „kleine Pastor“, wirkte, der sich nicht vom NS-Regime unterkriegen ließ im Schutzhaftlager Sachsenhausen.

Unterschiedlich sind die Menschen, deren Lebenswege und Schicksale mit den Häusern verwoben sind. Z. B. lernen wir Hugo Berghüser kennen, der es in Papua Neugina zum Minister brachte und von der Britischen Krone in den Ritterstand erhoben wurde. Dieser „Ritter aus dem Regenwald“ ließ sich in seiner alten Heimat Bochum-Stiepel von Bochums bekanntem Architekten Karl F. Gehse ein Domizil bauen, eine Art Museum für sein Lebenswerk, geschmückt mit Kunstwerken aus der Mythenwelt der Südsee.

Oder wir begegnen dem vielseitigen Künstler „Oskar Gölzenleuchter“ oder Karl-Heinz Tigges, der Brieftauben züchtet, oder dem Bergmannssohn Heinz Esken, der noch weiß, wie man vor der Moderne in Bochum lebte.

Sie alle sind beeindruckend, eigenwillige Charaktere, die Rainer Küster sensibel und respektvoll zeichnet, humorig und klar.

Und so kann die Lektüre des neuen Bochumer Häuser-Buches nur empfohlen werden.

Der Autor baut den Häusern und Menschen ein Denkmal in Sprache, kein unberührbares, sondern ein zutiefst menschliches, das der Leser neugierig und lächelnd besuchen will, überzeugt, dass dieses Buch geschrieben werden musste.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

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