Blaui Blueme von Ernst Burren, 2006, Cosmos VerlagBlaui Blueme.
Gedichte von Ernst Burren (2006, Cosmos Verlag).
Besprechung von B.En. in Neue Züricher Zeitung vom 31.03.2007:

Frau Müllers Lebensansichten

B. En. Wie macht er dies nur seit bald vierzig Jahren? Ernst Burren schreibt beharrlich Gedichte, Geschichten, Hörspiele in Solothurner Mundart, und immer reden seine Figuren wie die Nachbarin, der Mann in der Vorortbahn oder die Stammtischgäste. Man könnte glauben, er setze ihre Meinungen eins zu eins um. Denn unverstellt alltäglich stehen sie auf dem Papier, als ob hier ein solothurnischer Ödön von Horváth am Werk sei. Aber Burren komponiert sein Material und lässt an der banalen Oberfläche Tiefenschichten erahnen. Nie erhebt er den Zeigefinger, gebärdet sich nicht als moralisierender Kommentator. Im Grunde ist er einfach Mitmensch und lauscht empfindsam den Nöten des zwischenmenschlichen Bereichs nach. Auch im neuen Buch zeigt er sich als Chronist einer überschaubaren Dorfwelt. Da zwingt einer seinen Kindern eine Karriere auf und delegiert unerfüllte Lebenskonzepte an die nächste Generation. Eine Frau wünscht sich von ihrem Mann vergeblich blaue Blumen. Doch welche Sehnsucht sucht hier nach einem Namen? Ein Ehepaar verschlingt Unmengen von Schokoladenhasen, als ob hier noch eine ganz andere Gier zu befriedigen sei. Mann und Frau verzehren sich im Geschlechterkampf, seitdem die weibliche Emanzipation alles verändert hat. Es sind Geschichten mitten aus einem modernen Leben mit seinen Träumen, Enttäuschungen und Boshaftigkeiten. Sie teilen sich in Monologen mit, die auf das Echo eines Gegenübers zu warten scheinen. Doch Burrens Menschen leben in der Vereinzelung. Er lässt sie Assoziationen aneinanderreihen, die oft abwegig erscheinen und erschreckende Denkmuster aufdecken. Manchmal setzt er am Ende eine überraschende Pointe, manchmal klafft ein unerwarteter Abgrund in diesen so ganz und gar nicht harmlosen Geschichten.

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