Bildung von Dietrich Schwanitz, 1999, EichbornBildung.
Alles, was man wissen muß von Dietrich Schwanitz (1999, Eichborn).
Besprechung Johannes Vorlaufer aus Rezensionen-online *Sz*, Februar 2000:

Mega-out oder mega-geil?

"Die Sprache der Kritischen Theorie ist ‚mega-out". An ihr erkennt man die alten 68er. Freilich sitzen diese in vielen Chefsesseln des Kulturbetriebs; und wer da hinein möchte, sollte den Frankfurter Dialekt lernen." Mit Äußerungen wie dieser entäußert sich der Professor für Englische Literatur an der Universität Hamburg jeder Notwendigkeit eines kritischen Diskurses - oder, um es mega-out-mäßig in der Sprache der Logik zu formulieren: der Herr Professor bedient sich eines argumentum ad hominem, um sein Anliegen, das Bildungsgut der europäischen Tradition in ein Buch zu fassen und seine eigenen ideologischen Positionen gut versteckt zu platzieren. Mega-geil, würde dies in der Diktion unseres Autors wohl heißen. Aber auch dem Adornoschen-Frankfurter Dialekt so entgegengesetzte denkerische Positionen kommen nicht besonders gut weg: Heidegger - der Autor benötigt eine Seite um dessen umfangreiches Werk auf den Begriff zu bringen - hat, so erfahren wir, 1933 eine Verbeugung vor Hitler gemacht. "Aber wenn ihm seine jüdische Geliebte Hannah Arendt, die Analytikerin es Totalitarismus, verziehen hat, dürfen wir das auch." Schön für Heidegger, daß Geschichtsbewältigung so einfach über eine ehemalige Geliebte läuft, bedenklich bleibt, wie mit den gedanklichen Größen und den Irrwegen der Tradition bildungswisserisch umgegangen wird. So bleibt nach der Lektüre dieses Buches ein schaler Nachgeschmack: Gar Vieles wurde hier aus Kunst-, Kultur- und Machtgeschichte zusammengetragen und niedergeschrieben, auch manche kulturgeschichtlich relevanten Zusammenhänge wurden dem Vergessen entrissen und ausgezeichnet dargestellt, doch was ist Bildung? Was muß man wissen? Und wie muß man Wissen wissen?

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