Bett&Bühne. Über das Theater und das Leben.
Essays, Artikel, Polmiken von George Tabori (
2007, Wagenbach, hrsg. von Maria Sommer).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 17.01.2007:

Wenn Bett und Bühne voneinander lernen

Mit 82 sagte George Tabori "Ich bin der älteste Theatermacher im deutschen Sprachgebiet" und "jetzt habe ich genug". Elf Jahre später, kurz vor seinem Tod im Sommer letzten Jahres, war er immer noch der älteste "Spielmann" und sprach vom "7. Akt des Lebens". Kein Wunder bei einem, der das Lebensmotto "Noch einmal, mit Gefühl" hatte. Und er war doch ein Wunder an Geistesgegenwart.

Noch einmal war der erfolgreiche Regisseur und Autor George Tabori 1971 aus den USA zurück nach Deutschland gekommen, ein anderes Deutschland als jenes, das er 1933 als Hotel-Lehrling verlassen hatte, zu seinem Glück. Maria Sommer, die Theater-Verlegerin, die Tabori seinerzeit zurückholte, hat seine verstreuten Äußerungen zusammengestellt: Fragebogen-Antworten, Beiträge für Zeitungen und Programmhefte (über seine Heroen Shakespeare, Brecht und Beckett etwa), Interview-Äußerungen, Erinnerungs-Splitter, wie er dem neuen Reichskanzler Hitler am 30. Januar 1933 zugewinkt hat, "jung und dumm, wie ich war".

Hamlet in Blue

Der Buchtitel "Bett & Bühne" erklärt sich aus dem gern verwendeten Bonmot, Theatermachen sei ein Liebesakt, wie Laurence Olivier einst bemerkte. Tabori hielt auch viel von der Umkehrung dieser Einsicht und fragte, was Bühne und Bett voneinander lernen könnten.

Die Mitte des Bandes bildet der Essay "Hamlet in Blue", der nach Taboris Rückkehr an die deutschen Bühnen entstanden ist und oft umgearbeitet wurde. Ein theaterphilosophischer, lebenskluger Gedankengang über die Schauspielbretter, poetisch und abgrundtief klischeefeindlich: "Man kann die Vergangenheit nicht bewältigen."

Ein großartiger Band, der das großartige geistige Profil eines Menschen deutlich macht. Eine Ahnung davon teilt sich mit, wenn man seine zehn Lieblingswörter liest: "Leben, lieben, lachen, liegen" und "warten, hoffen, kommen, flüstern, schreien". Und was noch? "Wir". (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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