Betrug von Hellmuth Karasek, 2001, UllsteinBetrug.
Roman von Hellmuth Karasek (2001, Ullstein).
Besprechung von Kurt Tetzeli aus der NRZ vom 7.01.2001:

Klischees im Doppel
Die bezaubernden Beine von Katta bringen Robert zum Glühen und den Leser zum Gähnen. Karaseks neues Werk "Der Betrug" langweilt.

Man meint sie zu hören, die Stimme des literaturkritischen Primarius des jüngst verblichenen Quartetts, wie sie in wunderlicher Mischung lispelnd, knarzend und keinen Widerspruch duldend das Urteil über den zweiten Roman seines After-Ego formuliert: "Also, da hat sich der Autor zweifellos Mühe gegeben. Hat lange angestrengt nachgedacht, um etwas zu finden, was uns Heutige interessiert. Und meint dies in der Figur eines viertklassigen Kritikers und Schriftstellers gefunden zu haben.

Da hat sich der Autor zweifellos Mühe gegeben

Dieser Robert, so heißt die Kanaille, ist Anfang vierzig, also dort, was man jetzt gemeinhin eine Midlifecrisis nennt. Und mit dem Aufschlag seiner Frau, von deren Geld er so gut lebt, dass wir praktisch gar nichts von seinem Beruf, seiner schriftstellerischen Tätigkeit erfahren - also dieser Robert ist mit dem Aufschlag seiner Frau so unzufrieden, dass er beim Anblick der "robusten, braun gebrannten, festen und doch schlanken Beine" (der Autor hat eine große Vorliebe fürs schmückende Adjektiv, und es gelingt ihm mit großer Sicherheit, die erwarteten zu finden), dass er also beim Anblick der adjektivisch gefestigten Beine seines Gegenübers beim gemischten Doppel nur noch das Eine in allen Sinnen und Gliedern - und im meist nicht minder steifen Satzbau - hat: nämlich "kopulierende Zweisamkeit". Wie oft und unter welch widrigen Umständen - sowohl der besagte Robert wie auch die Katta der festen und doch schlanken Beine sind verheiratet - es bewerkstelligen zu kopulieren stellt der Roman dreihunderseitig, aber weder erotisch noch erzählerisch anregend dar. Und Zweisamkeit erreichen die beiden Hauptfiguren auch nicht. Diese ist eine der vielen von Roberts sentimentalen Kitschvisionen, so inhalts- und weltenleer wie der ganze Roman. Sprachlich, figürlich, szenisch reiht sich Stereotyp an Stereotyp, Klischee an Klischee: Es ist Roberts Sicht der Welt, die der Autor vermittelt und von der er sich mit Ironien in Flaubertscher Manier zu distanzieren versucht. Jedoch: Robert ist kein Frédéric Moreau, erfährt keine Lehrjahre des Gefühls und steht nicht für eine Generation oder Schicht oder gar Gesellschaft ein. Karasek ist eben ganz gewiss kein Flaubert. Weil weder er noch seine Hauptfigur die Worte halten können, kann er nicht wirklich erzählen, kann keine Welt real erstehen lassen. Was er tut, ist plaudern oder noch weniger: labern. Die Labersprache freilich beherrscht er perfekt (was den Zuschauern meiner Show aber nicht unbekannt sein dürfte)."

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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