Besucher einsamer Herzen von Thomas Losch, 2005, Edition InnsalzBesucher einsamer Herzen.
Prosa von Thomas Losch (2005,
Edition Innsalz).
Besprechung von
Thomas Fröhlich aus etcetra Nr. 24/25:

Einsam.

„,Lass die Toten tot und die Mörder fett werden!’, ruft ihr der ägyptische Zeitungsverkäufer, der erste auf der Straße, nach.

Mörder sind fett und Tote tot.

Das Leben war nie anders.“

Was Thomas Losch in seinem preisgekrönten Roman Besucher einsamer Herzen vorlegt, ist nicht mehr und nicht weniger als ein lebendig gewordener Wiener Stadtplan – einer, durch den allerdings der Geist Thomas Bernhards und Helmut Qualtingers weht: Unscheinbares Monströses, urgemütliches Wiederbetätigen, gestrige Heurige (oder ist’s heuriges Gestern?).

Es sind Notizen, Notizen aus der Wiener Vorstadt, Notizen aus einer Welt, in denen der Gott der kleinen Leute immer noch Adolf heißt, und in der man nicht ums goldene Kalb, stattdessen um Hundescheiße herum tanzt. Die Scheiße der kleinen Hunde. Die kleinen Wohnungen der kleinen Hunde. Und Arbeit. Viel Arbeit.

„Er hat ihnen wirklich viel geschenkt. Arbeit und Wohnungen.“

Klar: Als Wien-Werbung taugt Besucher einsamer Herzen nicht wirklich. Ist man aber bereit, ausgetretene Pfade (auch die der angeblich „kritischen“ Wien-Literatur) zu verlassen, so spaziert, stolpert und rutscht man in einer meisterlich herauf beschworenen Welt aus, die man sonst gerne vergisst, ignoriert – oder schlichtweg nicht kennt. In seinem knappen, dennoch völlig originären Stil zeigt uns Thomas Losch ein Stadt-Universum, in dem es im Grunde nur eine durchgehende Strasse gibt: jene grenzenloser Einsamkeit.

Fulminant!

Leseprobe I Buchbestellung 0307 LYRIKwelt © Thomas Fröhlich