Beste Jahre von John von Düffel, DuMont, 2007Beste Jahre.
Roman von John von Düffel (2007, DuMont)
Besprechung von Fitzgerald Kusz in den Nürnberger Nachrichten vom 28.11.2006:

Kinderwunsch mit Hindernis
John von Düffel liest in Erlangen aus seinem neuen Roman

Der Autor John von Düffel liest am 3. Dezember um 20.30 Uhr im Erlanger E-Werk aus seinem neuen Roman «Beste Jahre».

Die in einigen Feuilletons propagierte «Neue Bürgerlichkeit» ist nun auch auf die Literatur übergeschwappt. Nachdem Ingo Schulzes Kurzgeschichtensammlung «Handy» schon sehr «neo-bürgerlich» war, kann nun John von Düffels neuer Roman «Beste Jahre» geradezu als Paradebeispiel für diese neue Richtung dienen. Von Düffel hatte mit seinen Familienchroniken «Vom Wasser» (1998) und «Houwelandt» großen Erfolg. Mit den «Besten Jahren» liefert er gewissermaßen das Vorspiel zu einem Familienroman nach. Erst müssen ja einmal Kinder da sein. Und das ist heute gar nicht mehr so einfach.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein erfolgreiches Schauspieler-Ehepaar um die vierzig wünscht sich ein Kind. Es klappt aber nicht auf natürlichem Wege. Dank moderner Reproduktionsmedizin wird Ehefrau Lisa dann doch schwanger. Von Lisas Biografie erfährt man so gut wie nichts.

Dafür um so mehr von ihrem Ehemann, dem Ich-Erzähler des Romans. In zahlreichen Rückblenden lässt er sein Leben von der Schule bis hin zu seinem ersten Engagement als Schauspieler am «Theater der Altmark» in Stendal Revue passieren. Und dann taucht plötzlich auch noch sein alter Studienfreund H.C. wieder auf, den der er längst aus den Augen verloren hatte.

Hanebüchene Handlung

Mit dem Erscheinen H.C.s nimmt der Plot eine Wendung, die einer Seifenoper viel besser anstünde. Wie sich am Schluss des Romans herausstellen wird, ist H.C. mit Doreen verheiratet, dem Mädchen, das in Stendal die große, unerreichbare Liebe des Roman-Protagonisten war. Zu allem Unglück hat H.C. auch noch Prostatakrebs und sieht sich nicht mehr in der Lage, dem verzweifelten Kinderwunsch seiner Frau nachzukommen. Er fleht nun seinen alten Kumpel an, mit seiner Frau am Tag ihres Eisprungs zu schlafen. Natürlich geht das schief. . .

Von Düffels Erzählstil steht in diametralem Kontrast zu dieser einigermaßen hanebüchenen, überkonstruierten Story: Es ist eine leicht ironisierende Schreibweise. Der Erzähler betrachtet die Geschichte wie durch einen Filter, der immer gleich die Reflektion mitliefert.

Das führt dazu, dass Düffels Figuren keine Konturen bekommen und seltsam blass bleiben. Der Autor selbst betrachtet sie wie von außen, dringt nicht in sie ein. Von den wirklichen Sorgen und Nöten eines Paares, das sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind, weiß der Roman jedenfalls nichts zu berichten. Was hätte ein Richard Ford oder ein John Updike aus diesem Stoff gemacht!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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