Bernsteintage von Maxim Biller, 2004, KiWiBernsteintage.
Erzählungen von Maxim Biller (2004, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von ebe aus Rheinischer Merkur, 17.06.2004:

Schatten der Kindheit

Maxim Biller galt bislang bei den Lesern als ein Vertreter der lauten Töne, der Skandale und Gerichtsprozesse nicht scheute. In seinem aktuellen Erzählband „Bernsteintage“ lässt sich allerdings nun ein neuer Tonfall vernehmen. Leise und bedachtsam erzählt Maxim Biller von den Unwägbarkeiten der Erinnerung. Es sind Bilder aus der Kindheit und Jugend, die die Gegenwart aller Figuren überblenden: Bedrohlich, zumindest verunsichernd, greift die Vergangenheit in diesen Geschichten in die Gegenwart ein. Ein bekannter Autor wird zum Beispiel öffentlich damit konfrontiert, einst ein Nazi-gefälliges Hörspiel verfasst zu haben – wie wird seine jüdische Frau darauf reagieren? Der Israeli Hadi hat bei einem Attentat seine Familie verloren, die er nun ständig zu sehen vermeint – Fremdheit schiebt sich zwischen ihn und diejenigen, die tatsächlich um ihn sind. Ein verklärender Blick auf Kindheit und Jugend ist Maxim Biller aber überhaupt nicht eigen. Vielmehr ist der Schriftsteller der Unzuverlässigkeit von Erinnerung auf der Spur. Nur einmal erscheint ein Ausschnitt Kindheit wie ein abrupt entrissenes Stück Paradies, wobei die Vertreibung erst viel später begreifbar wird. Der neue Tonfall liegt dem Autor, der hier inhaltlich wie sprachlich überzeugt 

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