Bericht aus der Zukunft des Ruhrgebiets.
Erzählung von Hans van Ooyen (2006).
Besprechung von Elisabeth Höving aus der WAZ vom 9.12.2006:

Mit dem Ballon in die Zukunft

Ruhrgebiet ist gestern, morgen ist Emscherland: Der Recklinghäuser Autor Hans van Ooyen fährt in seiner Erzählung mit dem Heißluftballon über die blühende Metropole Emscherland. Die Fiktion ist ein Beitrag für das Buch "Bericht aus der Zukunft des Ruhrgebiets. Das Jahr 2031".

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Also nichts wie ab nach oben: "Der Wind steht günstig für Entdeckungen. Unser Ballon steigt still hinauf in den Himmel über dem Phoenix-See. Kein Wölkchen steht über dem Emscherland." Emscherland? Aber sicher: Vor sechs Jahren hat die Kommunalkonferenz in Essen die Städte zwischen Emscher und Ruhr zu einer Metropole zusammengefasst und sie "Emscherland" getauft.

Aber keine Sorge, Sie haben nichts verpasst! Bislang gibt es natürlich weder eine Ruhrmetropole noch eine Metropole Emscherland. Aber der Recklinghäuser Schriftsteller und Foto-Künstler Hans van Ooyen hat seine Fantasie spielen lassen und ein schönes Luftschloss gebaut. Im Auftrag des Vereins pro Ruhrgebiet.

Der wurde in diesem Jahr 25 Jahre alt und hat aus diesem Anlass 40 Menschen aus dem Ruhrgebiet, die die Region kennen und lieben, gebeten, Visionen zu entwickeln. Visionen darüber, wie das Ruhrgebiet in 25 Jahren aussehen könnte.

Die Autoren kommen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kunst und Journalismus. Entstanden ist das Buch "Berichte aus der Zukunft des Ruhrgebiets - Das Jahr 2031".

Zwei der 40 Autoren stammen aus Recklinghausen. Reiner Kaufmann, Künstler, Initiator der Emscherkunsttage und Motor der Galerie Gelbes Haus, schrieb einen Beitrag zum Thema "Barrieren aus dem Weg räumen". Hans van Ooyen widmete sich dem Kapitel "Hohe Ziele setzen, mutig sein".

Reiner Kaufmann sieht das Ruhrgebiet 2031 in seinem Aufsatz "Wahre Liebe: Alle schwärmen vom Ruhrgebiet" vor allem bunt, vielfältig und solidarisch. Er hofft, dass Kunst Brücken baut, "jenseits aller Besitzstandswahrung". Kaufmann möchte den "Leuchtturmgelüsten die Freude am kreativ Spielerischen, am scheinbar Nutzlosen, am Kleinteiligen, am Immaterielen ergänzend gleichwertig an die Seite stellen". Einseitigkeit und Spezialisierung sollte nach dem Wunsch von Kaufmann in 25 Jahren der Vergangenheit angehören.

Hans van Ooyen dagegen entwickelte eine fiktionale Vision, eine Erzählung über Träume, Hoffnungen und fantastische Ideen.

Sein Ich-Erzähler setzt sich im Jahre 2031 in einen Heißluftballon und fährt mit ihm die Emscher entlang. Von oben entdeckt er wahrlich aufregende Dinge. Den "Johannes-Rau-Airport" in Dortmund zum Beispiel, von dem sich gerade die Maschine nach New York in die Lüfte hebt. Derweil unterhält er sich mit dem Ballonfahrer über die Vorbereitungen für die "Expo 2032 Emscherland".

Unten schlängelt sich die Emscher ganz ohne Betonkorsett an Feldern und Bäumen entlang. Am ehemaligen Stadthafen von Recklinghausen entdecken die Ballonfahrer Ateliers, in denen sich Künstler aus ganz Emscherland niedergelassen haben. Und damit nicht genug: "Auf dem Gelände einer alten Kläranlage gegenüber dem Museum Strom und Leben steht inzwischen das Erlebniszentrum Emscher-Insel." Ein pulsierender Hort der Kreativität im Herzen der Metropole Emscherland.

Ob die Visonen der Autoren wahr werden? Antworten könnte in 25 Jahren eine Fahrt im Heißluftballon liefern. Reiner Kaufmann schrieb über die wahre Liebe Ruhrgebiet. Hans van Ooyen flog mit dem Ballon übers Emscherland.
 

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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