Bellinzona.Nacht von Martin Gülich, 2001, Zu KlampenBellinzona. Nacht.
Roman von Martin Gülich (2001, Zu Klampen).
Besprechung von Matthias Kehle auf www.matthias-kehle.de:

Bellinzona, Nacht.

Dreibaum irrt leicht verletzt durch Bellinzona, seine Frau Erika liegt im Krankenhaus im Koma. Viel mehr passiert nicht in Martin Gülichs schmalem Roman "Bellinzona, Nacht". Das Ehepaar hatte auf dem Weg in den Urlaub in einem der elend langen Schweizer Tunnels einen Autounfall. Das Bangen um Erika stürzt Dreibaum in eine Krise. Der Mittdreißiger zweifelt an der Treue seiner Frau, verliert in der Kleinstadt die Orientierung, landet in einer Nachbar und erinnert sich immer wieder an seine Kindheit, die nur oberflächlich besehen glücklich war, wobei nicht einmal klar ist, dass es Dreibaums Kindheit ist, die erzählt wird.
Knapp und präzise ist die Sprache des Freiburger Autos, so als wolle er lakonisch protokollieren, was in und mit Dreibaum geschieht. Spannung will freilich nicht so recht aufkommen, schließlich erzählt Gülich "Bagatellen", auch wenn sie noch so dramatisch und dennoch beiläufig ins Leben einbrechen. Der Roman endet, wie er beginnt: Mitten im Leben. Ob Erika genesen wird, läßt Gülich offen. "Bagatellen" ist übrigens der Titel eines weiteren Buches des Thaddäus-Troll-Preisträgers mit kürzesten Prosa-Stücken.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.matthias-kehle.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1004 LYRIKwelt © Matthias Kehle