Bei schlechtem Wetter bleiben Eidechsen zu Hause von Nadine Kegele, 2014, CzerninBei schlechtem Wetter bleiben Eidechsen zu Hause.
Roman von Nadine Kegele (2014, Czernin Verlag).
Besprechung von Kathrin Kuna in DUM - Das alternative Magazin, 2014:

BEI SCHLECHTWETTER BLEIBEN EIDECHSEN ZU HAUSE

"Zu Weihnachten wünsche ich mir eine glückliche Kindheit." lautet einer der einschneidendsten Sätze in Nadine Kegeles Debütroman. Nun ist das Buch nicht mehr das neueste und es passt auch nicht zum Thema dieser Ausgabe ( - oder vielleicht auch schon irgendwie), aber es ist mir diesen März beim Regal des Czernin Verlags auf der Leipziger Buchmesse in die Hände gefallen und hat mich durch seinen Titel und auch den Buchumschlag verzaubert. Erst waren es die Worte: "Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause". Das fand ich skurril gut und hat mich neugierig gemacht. Irgendwie klang es auch witzig. Humorvoll ist es auf jeden Fall, wie die junge Autorin mit Sätzen wie "Am Schluss ist immer das Wetter an allem schuld" spielt. Sie erzählt nämlich eigentlich eine tieftraurige Geschichte, über jene, die unter der Banalität solcher Sätze leiden.

Mutterglück vergeht schnell

Ein Fragment aus diesem Roman hat Nadine Kegele 2013 beim Bachmann Wettbewerb vorgetragen und damit auch den Publikumspreis gewonnen. Sie erzählt die Geschichte von Nora, die Mitte / Ende Dreißig ist und an einem extremen Konflikt mit ihrer Mutter leidet, etwas einsam scheint und selbst keine Kinder hat. Als ihre Mutter ins Krankenhaus kommt, besucht Nora sie regelmäßig, aber ist danach immer extrem angewidert. Nur langsam lässt sich vielleicht so etwas wie der Beginn eines versöhnlichen Prozesses erahnen. Vielleicht. Es gibt aber auch den kleineren Handlungsstrang, die Geschichte der Erika. Anders als Nora ist Erika dreifache Mutter und alleinerziehend. Mit dem ersten Kind geht es eigentlich ganz gut los, doch das Mutterglück vergeht schnell und Erika scheint, was ihr als Kind zugestoßen ist, eins zu eins weiterzugeben und weiterzuleben. Nora und Erika sind auf gewisse Weise Gegensätze, doch haben das gleiche Problem: ein Defizit an Mutterliebe.

Über diese beiden Frauenfiguren sagt die Autorin selbst in einem Interview: Erika hat es versucht, konnte nicht atmen, Nora kann auch nicht atmen, aber sie versucht Luft zu bekommen.

Ein US-amerikanischer Geistlicher aus dem 19. Jahrhundert sagte einmal: "Das Herz einer Mutter ist das Schulzimmer eines Kindes."
Das fasst ganz gut zusammen, warum die Eidechsen in Kegeles Roman bei Schlechtwetter zu Hause bleiben.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter DUM]

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