Bei den Vogelinseln von Klaus Martens, 2014, POPBei den Vogelinseln.
55 Gedichte von Klaus Martens (
2014, Pop Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt, Oktober 2014:

Wundersame Märchen, / sind Lebenspflicht
„Mit all den Stimmen, die den Takt ansagen“ sprechen auch die neuen Gedichte, die der lebenskluge Autor Klaus Martens in seinem Lyrikband „Bei den Vogelinseln“ gesammelt hat, wieder auf unnachahmliche Art und Weise für sich, von denen wir, die empfänglichen Leser, auf „Gedankensuche“ mitgenommen werden während der schon siebzig Jahre andauernden Lebensreise eines großen Dichters.

Einprägsam sind diese Gedichte, gute, präzise Beobachter, einfühlsam, mitunter  lakonisch, treffend und melodisch formuliert, suggestiv.

Sie folgen den Wirklichkeiten des Lebens, ohne ihnen ein Bein zu stellen, um mit Wehmut, die wahrnehmbar leise ist, festzustellen: „blind gehst du dahin, davon/ im Geruch alter Liebe.“

Es ist eine der großen Stärken dieser Gedichte und ihres Verfassers, dass sie mühelos nachzuvollziehen sind, als beträfen sie das ureigene persönliche Leben, egal, um was es geht, ob um Kindheit, Erinnerungen, Angst, Betroffenheit oder einer Einsicht wie dieser: „du bist Übergang.“

Klaus Martens Themenspektrum ist weit gefächert und lässt nichts aus, wie man heute salopp zu formulieren pflegt. Es geht um Natur und damit verbundene Erlebnisse. „Nur die Natur wird immer wichtiger“, heißt es da an einer Stelle. Es geht um Lebensumstände, um das Einfordern von Respekt. Es geht um Finden und Suchen, um „Geschick“ und Befindlichkeiten, natürlich auch um jene des Alters. Es geht um Einsichten, um die, die bereits gemacht wurden und jene, die noch bevorstehen.

„Steine sind es nicht wert, erweicht zu werden“, notiert der Dichter augenzwinkernd oder im Rückblick: „auch hier war dein Glück.“

Wir begegnen einem Dichter, der in einem großartigen Widmungsgedicht einen Grundsatz formuliert, der allen seinen Gedichten anhaftet und sie dadurch zu Ereignissen werden lässt, die man nicht missen möchte: „Aber wissen, wie’s geht und verstehen, / zuhören, fühlen und sehen.“

„wir sind nun wieder/ im schnellen Einerlei“, befindet der Dichter und in einem der schönsten Gedichte seines Bandes „ Bei den Vogelinseln“ nicht ohne Melancholie:

„Es kommt die Zeit, in der auch wir/ nach unseren letzten Inseln suchen werden.“

Es geht um Abschied, um Lebensweisheiten und Gefühle, um das Verorten der Person und das eigene Schaffen: „Aber am Ende/ bin ich meinem Interesse gefolgt/ und dem Lebenswürfel, wenn er fiel, /nach nur ein bis zwei Umdrehungen.“ Übertitelt ist dieses Gedicht: „Revolutionär“.

Scharfsinnig sind diese Gedichte ebenso wie ihr Autor, der beeindruckende Verse zu schreiben weiß wie diesen: „einfach weil die Schlüsselworte fallen/ zu den Herzenstüren deiner Kindheit/ einfache Türen, einfache Schlüssel – / Heimweh komm und öffne mich!“

Er führt uns zu „Statuen im Park“, an „Die Flüsse“, zum „Ernten“ oder Meteoritenbrocken“, um ironisch zu konstatieren: „aber: Volltreffer – das erste/ und das letzte Mal trifft mich, / ein Nichts, in meinem Leben/ mein eigener, schwarzer Blitz.“

Es geht um Altes und Neues, um das Wahrnehmen der Außen- und Innenwelten, um „Kleine Archäologie“ und „Sonntagmorgen im Herbst“, um einen Dichter, der Bilanz zieht: „Nichts da, aus der Traum“. Der Augenblicke festhält: „ich ging an mir vorbei, / den Blick hielt ich gesenkt. Der anzuregen weiß: „Hinter die vielen Jahre/ geh zurück, wünsch Glück/ dir und mir und allen/ unseren fremden Leben.“

Der neugierig skeptisch bleibt: „alles ist neu für die/ Neuen, die kein Gedächtnis wollen.“

Der seinem Handwerk vertraut: „ der neue/ Blick, eindringlich/ der Blick hinein/ in die Wörter, / Mark der Zeit.“

Die Gedichte Klaus Martens sind Kleinode im Reich der Poesie. Und ich denke, dass sie bleiben werden. Warum? Das ist einfach zu beantworten, wenn ich mir ein Zitat des Dichters der Einfachheit halber zu eigen machen darf: „Es hat alles eine Erklärung. Bezahlt in prosaischer Währung.“

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 1014 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Michael Starcke