auweia von Eckhard Henscheid, 2007, Kunstmannauweia.
Infantilroman von Eckhard Henscheid (2007, Kunstmann).
Besprechung von Jens Dirksen aus der NRZ vom 28.8.2007:

Basteleien eines Schrottsammlers
Eckhard Henscheid tobt sich als Phrasendreschflegel aus: "auweia"!

Wolfgang Thierses "Entfeindungskultur" und Edmund Stoibers "Hinschaukultur", die "Befehlskultur" des Militärs, die "Aufbahrkultur" des deutschen Bestattungsgewerbes und die "Empörungskultur" der deutschen Literatur: Eckhard Henscheid hat sie alle gesammelt. 756 "Kulturen", von denen er im medialen Dauerrausch hörte oder las. Allein mit dieser Großtat hat sich der Altvordere der Neuen Frankfurter Schule einen Platz in der Heldengalerie der deutschen Sprachkritik gesichert. Ohnehin schwingt er ja seit Anfang der 90er Jahre gemeinsam mit Kolleginnen wie Brigitte Kronauer und Elsemarie Maletzke als Wortschrottsammler die große Glocke, an die jedes noch so sperrige "Dummdeutsch" gehängt wird.

Ja, die Heidi vom TC Leimen

Jetzt allerdings verdingt sich der Klüngelskerl in der Recycling-Industrie: Aus seiner reichen Ernte mit dem Phrasendreschflegel hat er einen "Infantilroman" zusammengebastelt. Die Handlung dreht sich, ach was: rotiert um eine international erfolgreiche Tennisspielerin vom TC Leimen, die Heidi heißt und kurz nach dem Bambino-Turnier und dem ersten Schultag ihren Ron heiratet, bevor sich dann auch gleich der Stammhalter ankündigt... Klatschspalten im satirischen Schnelldurchlauf, und Caspar Weinberger, Dieter Bohlen, "Effe" Effenberg und der Papst kommen auch drin vor.

Rasend schnell und heillos überdreht: Henscheid hat sich offenbar auf seine pardonesken Wurzeln besonnen und ist bei der Vorschlaghammer-Parodie angekommen. Das trägt zwei, drei Seiten lang - wer mehr von diesem ganzen "Aber hallo"- und "Alles Roger in Kambodscha"-Müll und "Familyhighlife"-Denglisch erträgt, hat es wahrscheinlich auf einen Tapferkeitsorden abgesehen.

Eines allerdings ist Henscheid gelungen: Es dürfte nicht viele Romane geben, die ein Lektüre-Fazit im Titel tragen: "auweia"! (NRZ) 

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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