Autopilot von Norbert Kron, 2002, HanserAutopilot.
Roman von Norbert Kron (2002, Hanser).
Besprechung Brigitte Schwens-Harrant aus Rezensionen-online *LitFo*, 2002:

Michael Lindberg, Anfang dreißig, erfolgreicher Fernsehproduzent und in fester Beziehung, gelangt an die natürlichen Grenzen seiner Produktivität: er erfährt, dass er zeugungsunfähig ist. Da hilft ihm auch nicht das Programmieren seiner selbst, das er perfekt beherrscht, und die diversen Techniken des Umgangs mit worst cases, so der helicopter view, jene Selbstprojektionstechnik, die ihn über und aus sich selbst heben soll. Das Faktum bleibt, und kein Medium der Welt und keine Projektion vermögen daran etwas zu ändern.

An der scheinbaren Gleichgültigkeit, mit der seine Partnerin auf die Diagnose reagiert, scheitert die Beziehung, und Lindbergs Aktivität und Produktivität müssen sich auf seine neue Sendung richten, die ganz im Selbstentblößungstrend der Zeit liegt: Talk der Täter, eine Show, in der prominente Personen über ihre kriminellen Machenschaften plaudern sollen.

Unter der Moderation eines Ex-Kriminellen, des ehemaligen Kunstdiebes Doyen Du Chenier.

Eine Sendung, die der verzweifelte Lindberg schließlich zum Ort seines eigenen kriminellen Auftritts machen möchte, will er doch selbst als Krimineller live auf dem Bildschirm in die Mediengeschichte eingehen, in seiner eigenen Show.

Aber soweit kommt es dann doch nicht, und die für alle überraschende Wende bleibt ein letztlich unerklärter blinder Fleck. Wie auch der Rahmen des Romans erzählt, ein Flugzeugabsturz ins Meer: Nachrichten können nichts sehen, wissen nicht, was passiert ist.

Dass der Held gerade Lindberg heißt, verwundert nicht weiter. Auch sonst wirkt einiges an diesem Roman über die Reproduzierbarkeit und Wirklichkeitserschaffung und ihre Grenzen etwas gekünstelt und allzu sehr konstruiert. Andererseits bietet der Text aber interessante Einblicke in die Medienwelt, aus der auch der Autor stammt, der 1965 in München geborene Fernsehjournalist.

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