Aus weißen Halle von Hans Weßlowski, 2003, RimbaudAus weißen Hallen.
Gedichte von Hans Weßlowski (2003, Rimbaud).
Besprechung von Hubertus Heiser in der Westfalenpost, 12.3.2004:

Auf der poetischen Spur Ernst Meisters
Der Dichter Hans Weßlowski entlässt Lyrik "Aus weißen Hallen"

Vom Rimbaud-Verlag in Aachen weiß man, dass längst nicht jeder dort gedruckt wird, wo Lyrik entsteht. Rimbaud ist eine Verlagsgesellschaft, die auf sich hält - und festhält an dem, was gut ist - eine noble Adresse für Poeten. Beispiel: Hans Weßlowski.

Es ist schon sein dritter Gedichtband, der aus Aachen in den Hagener Buchhandel kommt: "Aus weißen Hallen", so der Titel der Lektüre. Beispiel Seite 20: "Ein Tötungsblick vor der weißen Halle. Unschuldig-sanft schaut er zurück, steigt ein ins weiße Licht - er verschwindet im Raum".

Das ist der eigenständig individuelle Gedicht-Stil des Hasper Dichters, der im Rimbaud-Verlag im Jahr 1995 seine Gedichte unter dem Lyrikband-Titel "Ausgesprochenes Dunkel" veröffentlichte und als zweites Werk den Gedichtband "Die Mühlen mahlen den Tag aus" im Jahre 1998 herausbrachte.

Nun eine komplette Trilogie: Weßlowski, der 1986 beim 6. NRW-Autorentreffen in Düsseldorf mit dem Lyriker-Preis ausgezeichnet wurde und im August 1997 als Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller in Nordrhein-Westfalen wirkt, wobei er sich auch für die Ernst-Meister-Gesellschaft Aachen engagiert, widmet sich generell dem Thema "Mensch".

Dabei bedient er sich einer ungewöhnlichen und bisweilen surrealistischen Sprache, die wiederum sich als Ausdrucksmittel versteht: "Schritte nach Hinten, die Säule am Schuhabsatz, wieder weggehen, alles vergessen, was war - es war nichts, aber was ...?"

Da sind es Beziehungskisten und Gesellschaftsgeflechte, in denen der Lyriker seine poetischen Knoten bindet, oder da sind es vokabel-reflektierende Sprachbilder, die den Alltag auf die Diskussionsebene evakuieren.

"Aus weißen Hallen": In seinem neuen Opus geht es um altes Schwarzes, denn Weßlowski thematisiert in seinem knapp 60-Seiten Band die Ängste des Menschen vor Krankheit, Einsamkeit und Tod.

Vor den Augen des Lesers steigen beklemmende Stimmungsbilder ohne Ausweg aus dem Dunkel auf, wobei die poetische Verbalkraft des Lyrikers neben der kompromisslosen Textmalerei auch eine packende Wortsymbolik nicht missen lässt.

Das wühlt auf, das rührt an, wenn sich Melancholie in mystische Bedrohung verwandelt: "Das Gesicht in den Schnee gepresst. So wird es blau wie Tinte, graubraun wie altes Eisen".

Von Hin-Wegen ins Dunkel ist die Rede, nicht von Auswegen, auch nicht von Umwegen. Direkt ist der Kontrast, ungeschminkt die Gedankenebene, schonungslos Logik und Konsequenz. Und manchmal wird dieser Dichter auch unerbittlich, wenn Vokabeln eines Torso zu Sätzen des Ganzen werden.

In der Nähe des einstigen Wohnhauses von Ernst Meister wohnt er, auch in dessen Nähe denkt er. Doch dann wirkt er bei genauem Hinsehen doch sehr entfernt - und ganz nah zu sich selbst.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der WESTFALENPOST]

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