Außer Haut von Ulrike Migdal, 2011, BrockmeyerAußer Haut.
Gedichte von Ulrike Migdal (2011, Universitätsverlag Brockmeyer).
Besprechung von Jürgen Boebers-Süßmann in der WAZ vom 30.4.2011:

Über Ulrike Migdal muss man, zumal in Bochum, nicht mehr viel erzählen.

Seit den 1980er ]ahren ist die 63-jährige Autorin als Lyrikerin, Essayistin, Verfasserin von Hörspielen und Dokumentation bestens eingeführt. Ihre Literatur stuft sie selbst als Beschreibung' politischer, gesellschaftlicher, kultureller und menschlicher Zustände ein - dabei ist sie eine außerordentlich engagierte Literatin, was sich zuletzt daran bewies, dass sie die im KZ ermordete Dichterin llse Weber wiederentdeckte und ihr und ihrem Werk einen würdigen Rahmen gab. Nun liegt Ulrike Migdals neues Buch,,Außer Haut vor, ein schmaler Gedichtband, versehen mit Zeichnungen von Susanne Ludwig, der es aber in sich hat. Denn die Stimme dieser Lyrikerin ist hermetisch, wenig eingängig, mehr nach Innen gekehrt als nach Außen gewandt. In äußerst reduzierten Versen - knapper geht's nicht, könnte man sagen - entwirft Migdal ihren lyrischen Kosmos, in dem sich Stimmungen, Gefühle, Gedanken wie ferne Sphären drehen. Und doch gibt sie allgemeinen Gefühlen des Verlustes, der Angst, der Zurückhaltung, der Irritation eine Stimme, die Stimme der Möglichkeitsform:,, So zwischen/ Tisch Schrank Bett/bin ich/ lieg steh/von bis/durchkreuz/ den Horizont/Schatten der Standuhr/drin tickt/das Herz/solang es/dauert. Das sind poetische Bildfindungen von einiger Kraft konzentrierte Wortgebilde von pulsierender Rhythmik. Der Leser ist aufgefordert, diese von Ulrike Migdal für sich bestimmte Stimme in sich selbst nachklingen zu lassen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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