Aus dem Wortschatz unserer Kämpfe
Prosa, Aufsätze, Gedichte von Martin Walser (2002, Suhrkamp).
Besprechung von Joanna Jablkowska aus Rezensionen-online *Sz*, August 2002:

Ein neuer Band mit Prosa und Gedichten von Martin Walser liegt vor. Der Band enthält Texte aus vier Jahrzehnten und bietet einen thematischen Querschnitt durch Walsers Schaffen. In zehn Teilen wird ein Überblick gegeben, der sowohl für bewährte Walser-Leserinnen und Leser als auch für noch nicht "Eingeweihte" interessant sein kann. Eröffnet wird das Buch von drei autobiographischen Gedichten, es folgt eine Auswahl von Kurzgeschichten aus der frühen Schaffenszeit; darunter findet man einige bekannte Erzählungen wie Das Flugzeug über dem Haus, Die Klagen über meine Methoden häufen sich oder Templones Ende. Der Teil VI enthält die schönsten Aufsätze, die von Martin Walsers Leseerfahrungen mit anderen Dichtern erzählen - Liebeserklärungen hieß der Band, in dem sie bereits 1983 gesammelt wurden. Unter ihnen finden wir die Dankrede zur Verleihung des Büchner-Preises, Woran Gott stirbt. Über Georg Büchner. Die Deutschland-Publizistik ist im Teil VIII mit vier wichtigen Texten vertreten: Auschwitz und kein Ende, Über Deutschland reden, Deutsche Sorgen, und die Paulskirchenrede durfte auch nicht fehlen. Es ist anzumerken, dass auf die frühen Deutschland-Texte aus den 60er Jahren verzichtet wurde. Der zehnte Teil enthält neuere Aufsätze, die bis auf den letzten bereits im Band Ich vertraue. Querfeldein abgedruckt wurden. Der abschließende Beitrag des Bandes ist für treue Walser-Leser besonders wertvoll; er ist bis jetzt nur in stark gekürzter Fassung in der FAZ erschienen und wurde dem Briefwechsel von zwei Dichtern gewidmet, die beide, heute fast vergessen, zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören: Rudolf Borchardt und Rudolf Alexander Schröder. Es ist bewundernswert, wie aufmerksam Martin Walser lesen kann und wie er sein eigenes dichterisches Ich zurücktreten lässt, wenn er sich der Lektüre anderer Autoren widmet. Er liest diesen Briefwechsel wie einen Roman und lädt damit indirekt dazu ein, auch seine Texte aus vier Jahrzehnten wie einen Roman über sein eigenes schriftstellerisches Leben zu lesen.

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