Aufgelassene Archive von Gregor Laschen, 1999, DuMontAufgelassene Archive.
Gedichte von Ulrich Johannes Beil (1999, DuMont).
Besprechung von Theo Breuer im titel-magazin:

Eine Reihe, die aus der Reihe fällt...

Vor mir liegen 5 Bücher (plus eine "Zugabe") mit außergewöhnlicher Ausstrahlung: Es sind Bücher, die bereits durch ihre ausgesuchte Aufmachung - mit weißem, blauem, rotem, gelbem und grünem Leineneinband, Lesebändchen, im Schuber) sehr gute lyrische Qualität suggerieren. Diese hochwertigen Buchobjekte sind offenbarer Ausdruck eines verlegerischen Selbstbewusstseins, das fest überzeugt zu sein scheint, eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle lyrische Idee auf dem Buchmarkt durchsetzen zu können, das im Prospekt ganz bescheiden von "moderner Lyrik internationaler Autoren" verspricht...

(02) In meinem Essayband über Lyrik in den 90er Jahren Ohne Punkt & Komma notierte ich über den 2. Band der Reihe das Folgende: Ein Dichter, von dem gegen Ende der 90er Jahre immer öfter die Rede ist, ist Ulrich Johannes Beil, der mit Aufgelassene Archive aufhorchen lässt. Beil lässt uns beim Lesen der Gedichte teilhaben am prozesshaften Charakter des Schreibichs, das sich - wie der moderne Mensch an sich (dessen Urvater wohl Odysseus respektive Ulysses ist) - beständig selber spiegelt und auch: metasprachlich reflektiert und in seinen (gleichsam verordneten) Gegensätzen und Widersprüchen (zumindest bruchstückhaft) erkennt. Beständig zwischen verschiedenen Bewusstseins-, Bild- und Zeitebenen lavierend, muss ich auf der Hut sein, die lose ineinander geflochtenen Fäden in der Hand zu halten, um mich nicht in dieser lyrischen Landschaft zu verlieren, in der ich (gezwungenermaßen) dauernd auf Reisen bin und selten wahrhaftig bei mir selbst. Formal wird die Durchdringung des Grundthemas der generell in sich gebrochenen spätmodernen (oft virtuellen) Existenz auch durch die zwischen Prosa und Poesie schwankende Sprache erreicht, die das zwiespältige Verhältnis des Verfassers gegenüber dem Wort, gegenüber dem Gedicht wiederholt ausdrückt: "Jetzt? Zu spät für Gedichte:", "dieser versteinerte Konjunktiv", "ohne ein Sterbenswort", ohne ein weiteres Wort", "Es wird Zeit für dieses Gedicht, / sich zu verabschieden" - oder in der ersten Strophe von UTOPIE:

Sich aufhalten in dem weiten Raum

Der noch nicht geschriebenen Wörter,

in ihrem ungeheueren Himmel,

unterzeichnet von nichts als den Zacken der Berge,

vor denen kein Wort, keine Wolke Bestand hat

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.titel-magazin.de]

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