Asche von Caroline Hartge, 2001, EngstlerAsche.
Gedichte von Caroline Hartge (2001, Peter Engstler).
Besprechung von Matthias Kehle auf www.matthias-kehle.de, 2001:

Asche

Richtig schlecht sind die Gedichte von Caroline Hartge nicht, richtig gut auch nicht. Sie sind also mittelmäßig, und mittelmäßige Gedichte fand Gottfried Benn unerträglich. "Stadt, Land, Fluß" ist eines der Gedichte, und wenn man von der "Liebe" absieht, sind damit die Themen des schmalen Bändchens genannt, das gerade einmal 22 Texte umfasst. "der flieder ist schön/ nach dem juniregen", findet das lyrische Ich in dem Gedicht "Kleinstadt", "... aber das pflaster:/ zerfahren zerborsten...";"bahnhöfe", so Hartge, "sind schmutzige orte/ voller abrieb von menschenhaut/ und enttäuschung." Das alte Thema der beschädigten Gegenwart ist es, das Caroline Hartge umtreibt, ganz zu schweigen von den beschädigten Beziehungen "voller umarmungen und unausgesprochener bezeugungen/ nach den monaten und jahren/ als wir nicht voneinander ließen." Leider fehlen der Autorin ein wenig die Worte, die treffenden, originellen Wendungen und Bilder, weshalb die Gedichte etwas blass und blutleer bleiben: "ALLE gehen/ treppab treppab/ tiefer und tiefer/ unter die verbrannte erde/ in ein gelächter aus hohn."
"allna lohra kehna" - was hätte man aus diesen Dorfnamen aus dem Oberhessischen alles machen können! Doch Caroline Hartge schreibt über "das schloß dem himmel ein halt", von den "weiden-in-trauer", den "enten im grünlicht", "im steinbruch blühn galmeiveilchen", "mähnen & schweife jagen/ über blendende koppeln: das selige land" - doch das alles ist nur ein traum, "in keinem leben kann ich zurück hinter die zeit/ die ins wasser ging." Wie gesagt, richtig schlecht ist das nicht, aber unerträglich mittelmäßig.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.matthias-kehle.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1004 LYRIKwelt © Matthias Kehle