Arrhytmie von Delimir Rešicki, 2008, Edition KorrespondenzenArrhytmie.
Gedichte von
Delimir Reickši (2008)
Besprechung von Ana Bilic bei Amazon, 9.6.2008:

Das, was die Arrhythmie" bearbeitet, ist das, was dem Geist jedes Menschen immanent ist - das Gedächtnis und zwar das Gedächtnis des menschlichen materiellen Bestehens. Jeder wird mit dem Gedächtnis seiner Vorfahren geboren, mit den Vorführern, die ihn in sein Leben eingeführt haben und ihm die Aufgabe gegeben haben, dem Generationsaufstieg und - Befreiung beizutragen. Mit der Geburt bekommt der Mensch das Generationswissen, das Wissen über die Kontinuität, das Wissen über die ewige Veränderung. Aber das Wissen enthält einerseits teilweise bewusste Wahrheit (teilweise, weil wenn sie gänzlich bewusst gemacht werden würde, hätte der Mensch kein Bedürfnis wieder geboren zu werden), - und andererseits enthält dieses Wissen auch die Vorhänge über den Wahrheiten, die aufzuziehen sind und die uns unsere Identität entkleidet. Die eigene Identität hat somit also den Start im Gedächtnis, im kollektiven Bewusstsein über das Materielle.

Resicki hat ein Tagebuch über ein solches materielles kollektives Bewusstsein geschrieben. Sein Tagebuch ist nach Gedächtnis geschrieben, es ist ein déja vu, und deswegen ist es eine Arrhythmie, es ist fragmentarisch, unsynchron, längst vergessene Menschen kommen zum Vorschein, verlorene Lieben, fremde Kindheiten, vergangene Kriege, Geister, Träume, Geschäfte und Züge und mischen sich in sein Leben ein. Diese Erscheinungen, Geister der Vergangenheit helfen ihm, damit er sich klar definiert: Ich bin nicht wie sie und ich will nicht wie sie sein." Aber diese Geister der Vergangenheit bringen auch eine andere Frage für Resicki ans Licht: Wenn du nicht wie wir bist - wer bist du dann?" - Resicki antwortet darauf manchmal konformistisch - er hat einen Antrieb zum Verschwinden (was die Bemerkungen mancher Kritiker berechtigt, dass Resicki unter dem Einfluss der Rockpoesie steht). Aber diese Antwort erfüllt den Raum der Seele nicht - weil die Seele ein Bedürfnis nach der Erfüllung hat, nach der Leichtigkeit des Seins". Sich von dem Gedächtnis zu befreien aber damit die Seele erfüllt bleibt - das ist ein Kampf mit der Zeit, der brutal ist und keine Gnade erweist.

Aber da wird Resickis Meisterschaft gezeigt: sein dichterischer Ausdruck ist emotionell, aber unpathetisch und unaufdringlich, er ist überzeugend aber nicht affektiv und nicht aggressiv, er kennt keine Ironie und keine Resignation, es gibt keine Trauer und keine Deskription. Er ist, einfach gesagt, ein professioneller Krieger, der keine Begeisterung verloren hat.

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