Apfelblütenstecher von Wanda Schmid, 2008, EFEFApfelblütenstecher.
Gedichte+Fragmente von Wanda Schmid (2008,
Verlag EFEF)
Besprechung von li in Der Bund, Bern vom 4.03.2009:

«Unheilbare Einsamkeit»

Wanda Schmid Die in Zürich lebende Autorin hat zuletzt 2003 die Gedichte «Sonnenfinten» publiziert und schreibt neben Theatertexten, die in jüngster Zeit vermehrt Anklang finden, Prosa, die lyrisch wirkt, und Lyrik, die verkappt erzählerisch ist. Erneut überprüfen lässt sich das in ihrem jüngsten Buch, der Prosa- und Lyrik-Anthologie «Apfelblütenstecher» (eFef-Verlag, 152 S., Fr. 28.–.). Die zehn Prosagedichte, die den besagten, für die Blüte tödlichen Käfer im Titel führen, sind eine verklausulierte Hommage an einen durch den Tod verlorenen Menschen, während der gewichtigste Teil des Bands, die 50 Texte des Kapitels «Wortgestöber», auf rückhaltlos offene Weise ein Ich evozieren, dem Schreiben zur Qual und zum Leiden und gleichwohl zum einzig denkbaren Lebensinhalt wird: mit Abgründen der Verzweiflung und seltenen Momenten des Glücks. «Der wilde Traum. / Der Aufruhr. / Die Sehnsucht wölbt sich. / Gebete helfen nicht / . . . / «Es ist die unheilbare Einsamkeit, die zum Tode führt.»

Wie die 27 Gedichte im ersten Teil des Buchs zeigen, bekommt es Wanda Schmids poetischem Naturell gut, wenn eine strenge Form die Gedankenflut diszipliniert. Dann kann es zu sprachlich so wunderbar gültigen und bildmässig innovativen Gebilden wie dem folgenden kommen: «Der See ist / dein blaues Etui / wo du deinen Körper badest / ein Rabe / im schönsten Trauerschwarz / überfliegt dich / nahe am Ufer / ruhen die Toten / du gehst barfuss / über die winzigen Knochenröhrchen / und zählst die Schiffe / du sprichst mit den Vögeln / den Wespen und den Fischen / und malst eine / explodierende Sonne.» (li)

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Apfelblütenstecher von Wanda Schmid, 2008, EFEF2.)

Apfelblütenstecher.
Gedichte+Fragmente von Wanda Schmid (2008,
Verlag EFEF)
Besprechung von als. in Neue Züricher Zeitung vom 26.03.2009:

Hufeisenazurjungfer

als. Heimlich, unbemerkt und still zieht er eine Spur der Verwüstung nach sich: Nachdem der Apfelstecher seine Eier in die Blütenknospen des Apfelbaums gelegt hat, beginnen diese langsam zu verfaulen, und der Baum bleibt ohne Frucht. Wie den Apfelblüten ergeht es auch der Erzählerin in Wanda Schmids Gedichtzyklus «Apfelblütenstecher» im gleichnamigen Lyrik- und Fragmenteband, nachdem sie allzu früh «gestochen», von Schwielenhänden angefasst worden ist, die ein fröhliches Kinderzelt innert kürzester Zeit irreversibel in ein Laken verwandelt hatten. In zehn Bildern – losen Impressionen, die durch den Nebel des Traumas immer wieder auf einzelne Details einzoomen – kreist Schmids Text um diese «Ganzkörperwunde» und das «tosende Schweigen», das ihr folgt. Auch viele der übrigen Gedichte in dem Band scheinen von einem anfänglich stummen Schrei infiziert, der schleichend in eine dumpfe Leere auswuchert – der in glücklicheren Momenten aber auch schwerelos wird und als kleine blaue Libelle in den Himmel aufzusteigen vermag, als «Hufeisenazurjungfer».

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